| Smart Investor Weekly |
31.01.2012, 18:08 |
| Das Geld anderer Leute - Wahn und Wirklichkeit in der EU
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Wieder einmal, wir haben aufgehört mitzuzählen, feiern sich die Teilnehmer eines Euro-Krisengipfels für ihre Heldentaten. Diesmal also wurde der sogenannte Fiskalpakt beschlossen, an dem 25 von 27 EU-Ländern teilnehmen wollen.
Der zweite Teil der Geschichte
Einzig London und Prag verweigern
sich der neuen Sparsamkeit. Aber blicken wir kurz zurück: Das Gros der
Euro-Länder hat mehrfach oder gar dauerhaft die Maastricht-Kriterien
(Staatsverschuldung max. 60% des Bruttoinlandsprodukts (BIP), Neuverschuldung
max. 3% des BIP) verletzt. Da Deutschland das erste Land war, das hier
schluderte, wird ihm heute für diese Vorreiterrolle eine gehörige Mitschuld an
der europäischen Schuldenmalaise angedichtet. Offenbar, weil sich alle so sehr an
Deutschland orientierten, dass sie nichts Eiligeres zu tun hatten, als uns
unmittelbar nachzueifern. Dabei wird der zweite Teil der Geschichte
geflissentlich übersehen: Deutschland ist in der Folge eben nicht mit
aufgehaltener Hand bei den Nachbarn vorstellig geworden um Solidarität
einzufordern. Stattdessen hat sich unser Land aus – böses Wort – eigener
Anstrengung wieder auf Maastricht-Kurs gebracht. Dass die Früchte jener
Anstrengung nun fest im Visier der Brüsseler Umverteilungsbürokratie sind, entspricht
der Logik dieses Apparats.
Bestechende Logik
Nach EU-Recht gab es zudem eine weitere Grenze: Das „strukturelle Defizit“
eines Mitgliedslandes durfte die Grenze von 1% des BIP nicht übersteigen. Das
tat es trotzdem, wenn auch nicht gerne, so doch oft. Die bestechende Logik der
Unterzeichner des „Fiskalpakts“: Da das Kriterium ohnehin gerissen wird, kann
man sich auch auf ein ambitioniertes Ziel, wie eine halbierte Grenze von 0,5%
einigen – das sieht wenigstens gut aus. Teil des „Fiskalpakts“ sind daneben
Schuldenbremsen, die „verpflichtend“ in nationales Recht umgesetzt werden
müssen. Und wer nicht genau weiß, wie so eine Schuldenbremse funktioniert, der
möge seinen Blick Richtung USA wenden: Die dortige Schuldenbremse wurde in
ihrer Geschichte schon mehr als 50mal angehoben, weshalb sie auch durchgängig
eingehalten werden konnte. Ein schöner Erfolg, der aber nicht darüber
hinwegtäuschen kann, dass derartige Grenzen im Wesentlichen Ausgabendisziplin
vortäuschen, wo diese tatsächlich nicht gegeben ist. Andererseits: Jetzt, wo so
feste gespart werden soll, wurde die deutsche Forderung nach einem
Sparkommissar schlicht überflüssig. Kommissare müffeln ja ohnehin immer ein
bisschen nach Sowjetunion. Außerdem ließ man aus Griechenland wissen, dass
Stolz und Ehre des griechischen Volkes einer Beaufsichtigung entgegenstünden.
Das scheint uns allerdings weniger ein Phänomen der griechischen Volks, als
eines der Politik zu sein, die ja auch anderenorts häufig zu stolz ist, um sich
auf die Finger schauen zu lassen und allenfalls diesen Stolz ein wenig bändigen
kann, wenn es darum geht, vom Geld anderer Leute zu leben.
Auf Dauer
Wozu aber die ganze Mühe?! Weil auf dem Gipfel nämlich nicht nur furchtbar
viel vom Sparen geredet wurde, sondern weil man sich so ganz nebenbei darauf
verständigt hat, richtig viel Geld auszugeben. Der sogenannte Europäischen
Stabilitätsmechanismus (ESM), der freilich besser OPM hieße (=Others People
Money – Das Geld anderer Leute) ist ein Vehikel, mit dem die Menschen
insbesondere in Deutschland zwangsverpflichtet werden sollen, kulturelle
Errungenschaften anderer Länder, wie Korruption und Misswirtschaft auf Dauer zu
finanzieren. Wir nennen dies europäische Solidarität. Ohnehin hören wir
allerorten, dass sich Deutschland nicht so anstellen solle, denn Sparen sei
schließlich der falsche Weg. Nur Schulden, so lehrt die Erfahrung, machen
reich, schön und glücklich. Das Startvolumen des ESM wird zwar dennoch „nur“
die von Deutschland maximal zugestandenen 500 Mrd. Euro umfassen (interessant,
wie preiswert das klingt, wenn man zuvor über Billionen fabuliert hat). Diese
freundliche Geste fällt den Nehmerländern jedoch deshalb so leicht, weil das
Volumen wohl schon bald erhöht werden dürfte. Das wesentliche Ergebnis war
aber, dass man den ESM nun offiziell um ein Jahr auf Juli 2012 vorziehen will,
offenbar weil man muss. Die EU und der Euro haben mittlerweile so viel
Schlagseite bekommen, dass einem unwillkürlich die Bilder der havarierten und
bewegungsunfähigen „Costa Concordia“ in den Sinn kommen. Wenn die EU ein Staat
wäre, dann wäre dieses Schiff ihr Nationalsymbol. Allerdings: Hätten die
Staats- und Regierungschefs der EU auf der Brücke das Kommando gehabt, sie
wären wohl nicht in die Rettungsboote gefallen. Der Verbleib auf „unserem
Schiff“ wäre so alternativlos gewesen, dass es gar keiner Rettungsboote oder
Schwimmwesten an Bord bedurft hätte. „Rettung“ hätte dann so ausgesehen, dass
das schwer beschädigte Schiff soweit wie möglich aufs offene Meer
hinausgesteuert worden wäre. Schließlich hatte man just gelernt, wie gefährlich
es in Küstennähe ist und Fluchtversuche wären vor diesem Hintergrund
tatsächlich „undenkbar“.
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Fundstück
Ein interessantes Fundstück erreichte uns heute Morgen zur lateinischen
Münzunion, die 1865 zwischen Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz und
Griechenland gegründet wurde. Sie zerbrach mit Beginn des Ersten Weltkriegs.
Der amerikanische Finanzexperte Henry Parker Willis (1874 – 1937) bezeichnete
den Beitritt Griechenlands aufgrund der dort herrschenden Misswirtschaft und
Korruption als grundlegende Fehlentscheidung. Offenbar taten sich Ökonomen
schon damals schwer mit praktisch gelebter Solidarität; ähnlich schwer wie die
Politik, auch nur einen Fußbreit auf der Lernkurve voranzukommen.
Zu den Märkten
Die nach wie vor zahlreich vorhandenen Bären haben derzeit nicht viel Spaß. Die
Börsen laufen und laufen – und wir haben nicht den Eindruck, dass dies abrupt
aufhören würde. Wir geben diesem Bullensturm noch einige Wochen, bevor er sich
erschöpft. Wie Sie dem aktuellen Heft 2/2012 (welches in den meisten Fällen am
Wochenende ausgeliefert wurde; zumindest im Inland) entnehmen können, sind wir
gerade dabei unser Crack-up-Boom-Szenario zu modifizieren. Der jetzige schnelle
Aktienbörsen-Anstieg so wie die immer wahrscheinlicher werdende Rezession in
Europa veranlassen uns zu dieser Modifikation. Mehr dazu im „Großen Bild“ im
neuen Heft 2/2012 ab. S. 49. Diese Modifikation werden wir auch in den
kommenden Heften noch deutlich herausarbeiten. Einen Vorgeschmack darauf gibt
ein Interview, welches Frank Meyer von der Metallwoche vor wenigen Tagen mit
Ralf Flierl geführt hat:
http://www.metallwoche.de/der-crack-up-boom-eine-hausse-zum-furchten/
Preiserhöhung
Mit der Auslieferung der Februar-Ausgabe (2/2012) erhielten/erhalten alle
Abonnenten die Ankündigung für eine Preiserhöhung ab der kommenden März-Ausgabe
(3/2012). Statt 4 EUR wird das Heft im Abo zukünftig 5,34 EUR kosten. Die
ersten Reaktionen darauf reichen von „Das geht gar nicht!“ bis „…wurde ja
endlich Zeit, dass Ihr die Preise erhöht“.
Fakt ist: Wir haben uns zu diesem Schritt nicht entschlossen, weil wir unsere
Abonnenten ärgern wollen oder weil wir vor Gier den Hals nicht mehr zubekommen.
Vielmehr ist der Grund, dass Smart Investor seit der Erstausgabe im Frühjahr
2003 noch nie an der Preisschraube gedreht hat – wohl aber haben wir das
Volumen unserer Inhalte ausgedehnt. Insofern hielten wir es für gerechtfertigt
und aus Kostengesichtspunkten auch dringend nötig, eine solche Erhöhung
vorzunehmen.
Zum Vergleich sei hier gesagt: Smart Investor ist keine Massen- bzw.
Mainstream-Publikation, was an unseren Inhalten auch erkennbar ist. Eher zählt
er zu den „Special Interest“-Magazinen, deren Preise eher im Bereich zwischen 6
und 12 EUR je Ausgabe angesiedelt sind. Börsenbriefe – und Smart Investor
bietet auch dahingehend einige Aspekte – fangen in der Regel erst ab 100 EUR
Jahrespreis an und gehen locker in die Bereiche von 400 EUR oder auch deutlich
mehr. Damit soll gesagt sein: Smart Investor ist definitiv nichts für
Schnäppchenjäger, aber von „überteuert“ kann wohl angesichts der oben
angeführten Vergleiche keine Rede sein.
Die Erhöhung (von 48 auf 64 EUR für‘s Jahresabo) gilt erst ab der nächsten
Rechnungsstellung, welche bei jedem Abonnenten unterschiedlich ausfällt (je
nachdem in welchem Monat er sein Abo begonnen hat). Sobald unsere neue Website
steht, werden wir auch ein reines Online-Abo anbieten, dessen Preis nur
unwesentlich über den „alten“ 48 EUR angesiedelt sein wird.
Nochmal zum alten Preis
Für alle Nicht-Abonnenten bietet sich damit die Möglichkeit, den Smart
Investor für 12 Monate noch zum alten Preis von 48 EUR zu bestellen, und zwar
solange wie die Ausgabe 3/2012 noch nicht ausgeliefert wurde. Nutzen Sie diese
Chance!
Veranstaltungshinweis 1
Am Sonntag, den 10. Februar 2012 von
10.00 bis 14.00 Uhr veranstaltet die pAS
(= „private Akademie für Selbständigkeit“) in Herrsching am Ammersee
ein Seminar zum Thema „Geld geht uns alles an!“. In diesem Rahmen wird
Chefredakteur Ralf Flierl zum Thema „Gutes Geld“ referieren und anschließend
mit den Teilnehmern in kleiner Runde diskutieren. Die Veranstaltung ist
kostenpflichtig, eine Anmeldung ist unbedingt nötig. Mehr dazu hier:
http://www.smartinvestor.de/seedialog2012
Veranstaltungshinweis 2
Am 2.
und 3. März 2012 findet im Forum Messe Frankfurt zum dritten Mal die Deutsche Anlegermesse statt. Dabei
suchen namhafte Unternehmen aus dem Finanzbereich den direkten Dialog mit den
Anlegern. Untermalt wird das umfangreiche Programm mit den Vorträgen und
Interviews zahlreicher Prominenter wie
Heiner Geißler, „Mister Dax“ Dirk Müller oder der ehemaligen Boxweltmeisterin
Regina Halmich. Nähere Informationen sowie die Möglichkeit der Registrierung
finden Sie unter: http://www.deutsche-anlegermesse.de/index.php?id=211
Das Februar-Heft ist da!
Das neue Heft 2/2012 wartet in der Titelgeschichte mit einem Thema auf,
welches derzeit in aller Munde ist. Es geht um „Inflation versus Deflation“.
Lesen Sie unsere nicht „gemainstreamten“ Ausführungen dazu. Im Zusammenhang
damit finden Sie im Heft auch zwei Interviews, unter anderem ein einseitiges
Gespräch mit Dr. Doom Marc Faber, welches Sie hier lesen können. Das
Inhaltsverzeichnis zur Ausgabe 2/2012 finden Sie hier http://www.smartinvestor.de/news/inhalt/index.hbs
Fazit
Mit dem verabschiedeten ESM geht der Wahnsinn in die nächste Runde. Somit
bleiben die Finanzmärkte bis dahin auch weiterhin im Bann derjenigen, die die
Finger am „Gelddrücker“ haben.
Ralf Flierl, Ralph Malisch
Hinweis
auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt der Erscheinung
dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.
Abonnements:
Ein kostenloses zweimonatiges Kennenlern-Abo des Magazins Smart Investor kann
unter www.smartinvestor.de/abo angefordert werden.
Das Magazin:
Das aktuelle Inhaltsverzeichnis des Smart Investor Magazins ist unter
http://www.smartinvestor.de/news/inhalt/index.hbs einzusehen.
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