| Smart Investor Weekly |
27.07.2010, 18:06 |
| Der schöne Schein - und was davon übrigbleibt
|
|
Die deutschen Banken haben den Stresstest bestanden und nicht nur sie. Alle großen und wichtigen Institute Europas wurden mal so richtig „gestresst“ und kein großes Institut ist in die Knie gegangen! Hurra!!! Wie schnell jedoch ein Image, das auf Lug und Trug basiert, sich verflüchtigen kann, zeigt der Fall BP.
Der „grüne“ Ölkonzern
Mit dem
flotten Werbespruch „Beyond Pertoleum“ versuchte sich der britische
Energiegigant als grünes Unternehmen zu positionieren, welches die Zeichen der
Zeit erkannt hatte und nun auf Umweltfreundlichkeit und alternative Energien
setzten würde. Unter dem Vorstand Tony Hayworth entfernte sich der Konzern
jedoch wieder mehr und mehr von diesem Anspruch (so er denn jemals überhaupt
wirklich umgesetzt werden sollte) und man konzentrierte sich wieder auf’s
schmutzige Kerngeschäft – die Jagd nach dem Öl. Die grüne Fassade wollte man
natürlich gerne trotzdem behalten, macht sich ja schließlich gut in einer Zeit,
in der alles und jeder vom Klimawandel spricht, Umweltfreundlichkeit en vogue
ist und sogar US-Präsidenten ihr „grünes“ Herz entdecken. Doof nur, wenn sich
dann tief unter der (Meeres-) Oberfläche etwas zusammenbraut und schließlich
mit solch einer elementaren Wucht an die Oberfläche drängt, dass all die
schönen Fassaden und Worthülsen hinweggespült werden. Am Ende bleibt die nackte
und ungeschminkte Wahrheit zurück. Diese zeigt einfach nur, dass BP auf jedes
Mittel zurückgegriffen hat, um den Umsatz zu steigern und auch nicht im
entferntesten an die Risiken dachte, die dadurch entstehen könnten. Die
Konsequenzen dieses Handelns tragen vor allem natürlich die US-amerikanischen
Küstenbewohner, am Ende aber auch die Aktionäre von BP, nicht aber die eigentlich
Verantwortlichen. Diese werden mit einem goldenen Handschlag verabschiedet,
während die Eigentümer auf hohen Aktienverlusten sitzen bleiben. Pech, mag man
einwenden – sie hätten halt ihre Investments besser auswählen sollen.
Pleitebanken als Erfolgsunternehmen
Außerdem mag sich der geneigte Leser fragen, was das denn jetzt mit dem
Stresstest der europäischen Banken zu tun haben soll. Nun: So wie sich BP nur
auf der Fassade einen grünen Anstrich verpasst hat, so ist auch der Stresstest
der europäischen Bankenlandschaft nichts anderes als ein Potemkinsches Dorf.
Einziges Ziel dieses Testes ist es gewesen zu zeigen, dass die europäische
Bankenlandschaft gesund und stabil ist. Das hat er ja auch ganz wunderbar
getan. Da den Instituten jedoch erlaubt war, vor Beginn des Tests ihre Bilanzen
noch ein wenig zu frisieren und insbesondere Risikopositionen nun so zu
bilanzieren, dass diese generell mit dem Einkaufspreis und nicht mit den
aktuellen Kursen bewertet werden müssen, darf an der Sinnhaftigkeit des ganzen
Brimboriums stark gezweifelt werden. Getrost angenommen werden darf hingegen,
dass im Falle einer realen Stresssituation, beispielsweise der weiteren
finanziellen Schieflage eines Staates, der schöne Schein ganz schnell
verfliegen wird. Ein noch größerer Rettungsschirm wird dann dafür sorgen
müssen, dass die Banken am Ende nicht von dem insolventen Schuldner ebenfalls
in die Pleite gezogen werden. Und wie bei BP werden wiederum andere als die
Verantwortlichen diese Lasten schultern dürfen. Schade nur, dass der Bürger
anders als die Anleger an der Börse bei seinen „Steuerinvestments“ wenig
Auswahl hat.
Anzeige:_________________________________________
Buchaktion – Das Campello Verlagshaus BEDANKT sich bei den Lesern und möchte
Ihnen einen Tradingbestseller schenken.
http://shop.der-haendler.com/smart-investor/buchaktion.html
Wir möchten, dass sie einen beständigen und duplizierbaren Börsenhandel
erlangen.
Viel Spaß beim Lesen!
_______________________________________________
Die Märkte drängen nach Norden
Der DAX hingegen zeigt sich erst einmal beflügelt von den Ergebnissen des
„Stresstests“ und entsprechend marschieren die Kurse nach Norden. Generell ist
es bemerkenswert wie wenig die Kurse von doch eigentlich recht negativen
Nachrichten gedrückt werden konnten. Weder die schwächelnde Konjunktur in den
USA noch die Sorge um ein sich verlangsamendes Wachstum in China konnten den
Markt richtig nach unten drücken. Auch das recht negative Sentiment spricht
eher für weitere steigende Kurse. Sollte der DAX also mit seinem begonnenen neuen
Angriff auf den hartnäckigen und massiven Widerstand bei rund 6.300 Punkten
endlich erfolgreich sein, dann hat aus unserer Sicht die nächste Phase des
Crack-up-Booms begonnen. Sollte sich der Widerstand zunächst noch als zu zäh
erweisen, dann drehen die Kurse eben noch eine Extrarunde. An unserem Ausblick
wird das nichts ändern. Denn dazu müsste sich die Politik grundlegend ändern
und die Bereitschaft zur Ehrlichkeit erkennbar sein. Damit ist aber nicht zu
rechnen und so darf man getrost davon ausgehen, dass jedes neue Aufflammen der
Krise mit mehr Geld und mehr Täuschungen bekämpft werden wird. Entsprechend
heftig wird die Gegenbewegung des CuB ausfallen.
Musterdepot
Wir werden am Markt aktiv und kaufen 300 Stück des französischen
Laborbetreibers Eurofins (WKN: 910251) mit einem Limit von 37,20 EUR. Dies
entspricht in etwa einem Depotvolumen von 3 %. Die Order gilt ab dem morgigen
Mittwoch, den 28. Juli. Das Unternehmen ist unangefochtener Weltmarktführer im
Bereich chemischer Laboranalytik. Wir hatten Eurofins bereits schon einmal in
unserem Depot, sie aber zwischenzeitlich aus charttechnischen Gründen verkauft.
Inzwischen sieht die Aktie wieder sehr gut aus, nachdem sie den zweijährigen
Abwärtstrend fulminant beendet hat. Wir setzen das Limit knapp unterhalb des
derzeitigen Kurses und hoffen im Laufe der kommenden Tage während einer kleinen
Konsolidierung zum Zuge zu kommen. Mehr dazu in der am Samstag erscheinenden
Ausgabe des Smart Investor (8/2010) in den Rubriken „Charttechnik“ (S. 57) und
„Nachrichten aus den Unternehmen“ (S. 69)

Eurofins WKN: 910251 Limit: 37,20 EUR ab 28.07.2010 Volumen:
3%
Hinweis in eigener Sache
Am 1./2. Oktober 2010 findet der große Kongress zur Österreichischen Schule (Veranstalter:
GO AHEAD! business summit '10) unter Mitwirkung von Smart Investor in Wien
statt. Als Abonnent von SI können Sie zu einem vergünstigten Vorzugspreis
teilnehmen. Wer zudem bis 31. Juli bucht, kann auch noch einen Frühbucherrabatt
in Anspruch nehmen. Alle wichtigen Infos dazu finden Sie hier: www.go-ahead.at/go-ahead-business-summit
Am Samstag erscheint der neue Smart Investor
Da wir ja nicht nur mosern wollen, sondern zeigen wie es besser gehen könnte,
skizzieren wir in der Titelgeschichte die ideale Österreichische Welt: Eine
Welt ohne Scheingeld, dafür mit freien Märkten und realen Werten. Daneben
diskutieren wir die Situation bei den Agrarrohstoffen und untersuchen
interessante direkte und indirekte Investments in diesem Sektor. In der
Edelmetallrubrik sprechen wir mit Thomas Jacob über das Projekt einer Schweizer
Volksinitiative zur Einführung eines goldgedeckten Franken. Außerdem lassen wir
– wie üblich – zahlreiche kluge Köpfe aus Börse und Wirtschaft zu Wort kommen
und bieten Ihnen interessante, spannende und unterhaltsame Artikel aus allen
Bereichen des Börsenuniversums. Freuen Sie sich also auf den neuen Smart
Investor – am Samstag in Ihrem Briefkasten.
Fazit
So weit das Pendel in die eine Richtung
gezogen wird, so weit schlägt es in die andere Richtung aus. Da unsere Schulden und der Versuch,
den schönen Schein zu wahren, inzwischen derart gigantische Ausmaße angenommen
haben, müssen wir auch mit einem gigantischen CuB rechnen. Tritt dieser in die
nächste Phase, werden wir uns alle anschnallen müssen.
Ralf Flierl, Fabian Grummes
Hinweis auf mögliche
Interessenskonflikte:
Eine mit “*“ gekennzeichnete Aktie wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser
Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.
Ein kostenloses zweimonatiges Kennenlern-Abo des Magazins Smart Investor kann unter
www.smartinvestor.de/abo angefordert werden.
Das aktuelle Inhaltsverzeichnis des Smart Investor Magazins ist unter
http://www.smartinvestor.de/news/inhalt/index.hbs einzusehen. Sollten Sie den
eMail-Versand abbestellen wollen, so benutzen Sie bitte den Abmelde-Link unter
dem Newsletter bzw. schicken uns eine eMail mit dem Betreff "Abbestellen
des SIW" an info@smartinvestor.de.
Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan
von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.
|
| Sparunwillige Ungarn - und ein trendloser DAX
|
20.07., 17:34 |
| WM-Nachlese - Was Fußball mit Börse gemein hat
|
13.07., 17:30 |
| Durchbrüche, Ausbrüche - falsche Brüche?
|
06.07., 18:19 |
| Von Wembley-Toren - und Staatsinterventionen
|
29.06., 17:07 |
| China wertet auf - und alle freuen sich
|
22.06., 17:44 |
| Fußball und Börse - The sentimental Way
|
15.06., 16:48 |
| Schein und Sein - an ihren Taten werdet ihr sie erkennen!
|
08.06., 17:28 |
| Von kleinen Mädchen - und schwarzen Männern
|
01.06., 17:15 |
| Wer Fehler macht - – muss den Schaden auch beseitigen!
|
25.05., 16:58 |
| Das Prinzip Bayern München - Österreichische Schule in Reinkultur
|
18.05., 17:49 |

Die GoingPublic Media AG
kann trotz sorgfältiger Auswahl und ständiger Verifizierung
der Daten keine Gewähr für deren Richtigkeit übernehmen. Zur Berechnung
der abgebildeten Kennzahlen werden die Schlusskurse des jeweiligen Vortages sowie
die Gewinn- und Umsatzschätzungen von GoingPublic Research herangezogen.
Alle aufgeführten Kurse beziehen sich auf den umsatzstärksten Börsenplatz
der letzten 4 Wochen. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung
zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. © GoingPublic-Online 1999 - 2010 |