Druck der Strasse wächst
Noch
werden in Europa unisono die Sparbemühungen verkündet und die sparenden Staaten
für ihre vermeintlichen Anstrengungen gelobt. Aber diese Einheitsfront
bröckelt…denn der Widerstand gegen die „unsozialen“ Sparbemühungen wächst
vielerorts. So sollten in Rumänien die ohnehin schon knappen Renten um 15%
gekürzt werden, woraufhin vor allem die hart gebeutelten Rentner in Massen auf
die Straße gingen. In unseren Mainstream-Medien war darüber übrigens nichts zu erfahren
– und die rumänische Regierung forderte daraufhin die Vereinbarungen mit dem
IWF neu zu verhandeln. Inzwischen wurde diese Maßnahme zurückgenommen und „nur“
die öffentlichen Gehälter um 25% gekürzt. Auch Ungarn widersetzt sich dem Druck
des IWF und möchte seine Sparbemühungen verringern. Die erst seit rund 4
Monaten im Amt befindliche rechtskonservative Regierung wird wohl kaum das
Schicksal der Vorgänger teilen wollen und aus dem Amt gejagt werden. Massive
Sparmaßnahmen kann sie daher kaum durchsetzen. In Frankreich brennen derweil in
Grenoble seit drei Tagen in Folge Autos und es finden schwere Zusammenstöße
zwischen Jugendlichen und der Polizei statt – hier wird zwar vordergründig die
Erschießung eines mutmaßlichen Räubers als Grund angeführt. Dass die Gewalt
aber derart ausufert, dürfte vor allem auf die enorme Enttäuschung und Frustration
vieler Jugendlicher über ihre gesellschaftliche Exklusion zurückzuführen sein,
die aus der fehlerhaften Integrations- und Sozialpolitik der staatshörigen
Franzosen erwuchs. Insgesamt lässt sich feststellen, dass es der politischen
Klasse in ganz Europa zunehmend schwerfällt, die rigiden Sparprogramme gegen
den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. Jenseits des großen Teichs dürfte
diese Entwicklung mit Freude gesehen werden – hier wurden bereits alle
Grundsätze gesunder Haushaltspolitik fahren gelassen: Auf Teufel komm raus
schulden Obama & Co. auf, um zumindest doch noch ein bisschen Dampf in die
lahmende Wirtschaft zu bringen. Das Weiße Haus und dessen Berater wurden
bislang auch nicht müde von den Europäern ähnliches zu verlangen.
Die Märkte
Dass sich dies natürlich auch auf die Märkte auswirken muss ist klar. In
welche Richtung die Entwicklung hier in Europa allerdings gehen wird ist an den
Märkten allein nicht wirklich abzulesen. Der Kampf zwischen Deflationisten und
Inflationisten ist noch nicht entschieden. Von Ungarn könnte sowohl ein Impuls
in die eine Richtung (Deflation) als auch in die andere (Inflation) ausgehen.
In die eine wenn sich Ungarn einfach bankrott erklärt und den Gläubigern eine
lange Nase dreht, denn dann müssten allein die österreichische Banken rund 40
Mrd. EUR abschreiben und das könnte einen unangenehmen Dominoeffekt auslösen.
In die andere, wenn sich die ungarische Regierung (und nicht nur die) dazu
entscheidet dem Druck der Bürger vollständig nachzugeben und die entsprechenden
sozialen Forderungen mittels der Notenpresse anfängt zu begleichen. Einen
Beitritt zur Eurozone könnte Ungarn sich dann natürlich endgültig abschminken,
allerdings ist dieser ohnehin bereits in weite Ferne gerückt. Und die
derzeitige „nationale“ Regierung hat hieran vermutlich auch kein überschäumendes
Interesse. Smart Investor hatte immer betont, dass sich ein zweiter
deflationärer Crash nicht ausschließen lässt. Allerdings halten wir die
Wahrscheinlichkeit dafür nach wie vor für gering. Die zu Grunde liegende
Überlegung lässt sich salopp so formulieren: „Wenn mir jemand die Pistole auf
die Brust setzt und fragt, ob ich heute oder in 2 Wochen sterben will, dann
werde ich mich immer für ‚in zwei Wochen’ entscheiden.“ Und die zwei Wochen in
diesem Beispiel wären eben, markttechnisch gesprochen, das inflationäre
Szenario.
Der DAX nach wie vor seitwärts
Da der „Mann mit der Pistole“ gerade fehlt, präsentieren sich auch die
Märkte entsprechend unentschlossen. Der DAX tauchte heute wieder unter die
6.000 Punktemarke ab – allerdings bewegt er sich damit weiterhin in der seit
April etablierten Seitwärtsrange zwischen 5.700 und 6.300 Punkten.

Zwar würden die Wirtschaftsnachrichten aus Deutschland für eine baldige Wiederaufnahme
der Aufwärtsbewegung sprechen, dagegen stehen jedoch die noch nicht vollständig
ausgehebelten Sparmaßnahmen. Noch also hat sich die Waagschale nicht in die
eine oder andere Richtung geneigt. Gerade
deshalb heißt es aber auch besonders wachsam zu sein.
Musterdepot
Dies gilt natürlich auch für unser Musterdepot. Von weiteren Zukäufen sehen wir
vorerst genauso ab wie von Verkäufen. Allerdings behalten wir unser Long
Hebelzertifikat auf den DAX (WKN: GS8YFB) weiterhin genauestens im
Auge. Da wir nicht ausschließen wollen, dass sich die fahrige
Unentschlossenheit der Märkte noch den ganzen Sommer über fortsetzen könnte,
erhöhen wir hier noch einmal den Stopp-Loss. Sollte der DAX also an einem Tag
unter 5.820 Punkten schließen, d.h. um 17:30, würden wir die Position
glattstellen. Dies entspräche einem Kurs von ungefähr 6,75 EUR. Der neue
Stopp-Loss gilt ab morgen, Mittwoch, den 21.07.2010.
Wir
haben uns für die Anhebung entschieden, weil die Unterstützung nach unten nicht
ganz eindeutig ist bzw. sich aufspaltet (s. Chart) und wir es daher für klüger
hielten im schlimmsten Fall die Verluste deutlicher zu begrenzen.
Hinweis in eigener Sache
Am 1./2. Oktober 2010 findet wieder der große Kongress zur Österreichischen
Schule (GO AHEAD! business summit '10) unter Mitwirkung von Smart Investor in
Wien statt. Als Abonnent von SI können Sie zu einem vergünstigten Vorzugspreis
teilnehmen. Wer zudem noch bis 31. Juli bucht, kann auch noch einen
Frühbucherrabatt in Anspruch nehmen. Alle wichtigen Infos dazu finden Sie hier:
www.go-ahead.at/go-ahead-business-summit
Fazit
Noch ist nichts entschieden, wir halten
unsere Crack-up-Boom-Szenario nach wie vor für das wahrscheinlichere. Eine
wirkliche Entscheidung kann allerdings durch aus den Sommer über auf sich
warten lassen.
Ralf Flierl, Fabian Grummes
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von
Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.