Bearishe Implikationen
Im
vergangenen Weekly hatten wir geschrieben, dass die Börsen am Scheideweg
stünden und sich wohl bald entschließen müssen, in welche Richtung es in den
kommenden Monaten geht. Allem Anschein nach haben sich die Märkte nun
entschieden und zwar für Richtung Süden, also nach unten.
In vielen wichtigen Indizes, so beispielsweise dem S&P500, hatten sich
in den vergangenen Wochen Schulter-Kopf-Schulter (SKS) Formationen aufgebaut.
Inzwischen wurden diese charttechnisch bedeutsamen Signale voll ausgebildet und
die Nackenlinie nach unten durchbrochen.

Dies ist natürlich zu nächst einmal bearish zu interpretieren und steht
diametral zu unserem Crack-up-Boom-Szenario (CuB). Auch die Charts einiger
Emerging Markets sehen nicht wirklich vielversprechend aus – auch wenn es
bisher keinen wirklichen charttechnischen Schaden gab.

Heißt das nun, dass wir das CuB Szenario zu den Akten legen müssen, Asche
auf unser Haupt streuen und wie alle anderen einem deflationären Schock das
Wort reden sollten? Nein, nicht unbedingt, jedoch gilt es sich einige Dinge
bewusst zu machen.
Technik vs. Fundamentals
Langfristig werden sich die Fundamentaldaten immer durchsetzen. Allerdings
ist „langfristig“ ein ziemlich dehnbarer Begriff und kurzfristig regiert in der
Regel die Charttechnik. Wenn dann auch noch kurzfristig negative
Fundamentaldaten hinzukommen – wie ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum
in den USA oder China, dann werden die Anhänger des Bärenlagers natürlich wild
und drängen mit aller Macht nach Süden. Und da die Märkte, vor allem auf kurze
Sicht nicht nur von der Charttechnik, sondern auch sehr stark von der
Psychologie der Anleger getrieben sind (vgl. Smart Investor 7/2010 S. 18ff),
können solche Chartmuster in Verbindungen mit schlechten Nachrichten gewaltige
Bewegungen auslösen – wenn die Herde der Anleger einmal in Panik gerät. Nur
leider sind die Börsen tückische Geliebte und allzu oft schon hat sich der
klare Bruch eines Trends oder, wie in unserem Fall, der Bruch einer Nackenlinie
als ein „false break“, ein falscher Bruch, entpuppt. Wenn wir also in Bälde
einen „Rebreak“ im S&P500 erleben, d.h. die Kurse auf ein Niveau oberhalb
der Nackenlinie zurückkehren, dann wäre dies wiederum als äußerst bullish zu
werten. Denn wer durch die falschen, charttechnischen Signale auf dem falschen
Fuß erwischt wurde und entsprechend Shortpositionen aufgebaut hatte, wird bald
die Seiten wechseln und anfangen Longpositionen aufzubauen.
Es gilt also die jeweiligen Bewegungen genau zu beobachten, insbesondere die
weitere Entwicklung des S&P500. Aber natürlich auch gilt es die übrigen
Märkte im Auge zu haben. Sollte beispielsweise der Shenzhen Composite Index die
Marke um 900 Punkte doch noch nachhaltig nach unten durchbrechen, wäre dies ein
weiteres klares Warnsignal.
Musterdepot
Die Aktien in unserem Musterdepot blieben von den allgemeinen
Abwärtsentwicklungen der letzten Wochen ziemlich unberührt, da wir primär Small
Caps halten. Dass diese kaum in Mitleidenschaft geraten sind, zeigt, dass die
derzeitige Entwicklung primär indexgetrieben ist und wir uns daher im
Augenblick keine allzu großen Sorgen von dieser Seite her machen müssen. Was
unsere Derivate betrifft, so sieht es hier leider etwas anders aus. Insbesondere
die Optionsscheine sind mächtig unter Wasser geraten, vor allem da wir uns ja
mit Cisco, Amazon und Pfizer die wirklich Großen der jeweiligen Branchen
ausgesucht hatten. Allerdings haben wir genau aus diesem Grund Optionsscheine
mit einer lange Laufzeit gewählt, um die Position eben möglichst lange halten
zu können. Was unser Long-Hebelzertifikat auf den DAX betrifft (WKN: GS8YFB),
so scheint es uns hier geboten den Stop-Loss etwas nach zu justieren: Wir
ziehen den Stopp auf 5,80 EUR, was einem DAX-Kurs von ungefähr 5.710 punkten
entspricht.
Fazit
Noch spricht fundamental alles für den Crack-up-Boom (CuB),
nichtsdestotrotz lässt sich, insbesondere aufgrund der technischen Situation,
ein deflationärer Schock nicht mehr ausschließen. Allerdings rechnen wir diesem
Szenario derzeit keine allzu große Wahrscheinlichkeit zu.
Ralf Flierl, Fabian Grummes
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan
von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.