Aber ein Fußballspiel ist nun einmal kein Markt. Im Fußball
treffen zwei unterschiedlich starke Mannschaften aufeinander, die in der Regel
unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Der Ausgang dieses Kräftemessens
ist nicht nur von den Stärken und Schwächen der Mannschaften abhängig – das
Wetter, der Schiedsrichter oder auch schlicht das Glück sind weitere Faktoren.
Natürlich spielen auch an der Börse die unterschiedlichsten Faktoren eine
Rolle, aber der wichtigste Unterschied ist, dass hier nicht nur zwei
Mannschaften gegeneinander antreten, sondern eine Vielzahl unterschiedlichster
Akteure, deren Einschätzung des jeweiligen Marktes Ausdruck in ihren
Investitionsentscheidungen findet. Wenn nun die überwiegende Mehrheit den Markt
ähnlich einschätzt, kommt es zu ähnlichen Investitionsentscheidungen, die den
Markt zunächst einmal natürlich in die entsprechenden Richtung treiben – am
Ende einer solchen Entwicklung jedoch stehen quasi alle „zittrigen“
Marktteilnehmer auf einer Seite, dann beginnt das Pendel wieder in die andere
Richtung zu schwingen und in der Regel werden die meisten Marktteilnehmer
(nämlich eben die zittrigen) dann auf dem falschen Fuß erwischt. Der Begriff
„Zittrige“ stammt übrigens von Börsenaltmeister André Kostolany und steht im
Gegensatz zu den „Hartgesottenen“ oder wie wir es in unserer Geschichte „Die
Gedanken des Marktes lesen“ gemäß dem legendären Richard Wyckoff nennen: den
„Composite Operator“.
Im Fußball jedoch hat die Einschätzung der Spielbeobachter keinen Einfluss auf
das Spiel selbst. Insofern lässt sich Sentimentanalyse nicht auf Fußball, ja
noch nicht einmal auf Wirtschaft anwenden.
Das spanische Drama
Die meisten Fußballexperten sehen übrigens Spanien ganz weit vorne im
Rennen um die Weltmeisterschaft. Weltmeisterlich waren bisher jedoch vor allem
die spanischen Konsumenten, allerdings nicht im Fußball, sondern in der
Disziplin Schuldenmachen. Da darf es nun nicht verwundern, dass die spanischen
Banken, genauer vor allem der Sparkassensektor, inzwischen mit zunehmenden
Problemen konfrontiert sind. Erstaunlich ist jedoch, dass dies den Markt
scheinbar immer weniger berührt. Trotz der negativen Nachrichten von der
iberischen Halbinsel fällt der Euro nicht mehr weiter und auch die Tendenz des
DAX zeigt wieder nach oben. Neben dem inzwischen wohl allgemein verbreiteten
Bewusstsein, dass im Zweifelsfall jedes bedeutsamere Unternehmen gerettet wird,
zeigt sich auch hier ein anderes Phänomen der Börsenpsychologie: Die meisten
Anleger haben die schlechten Nachrichten bereits verinnerlicht und das
Erschrecken über die schlechten Nachrichten hält sich somit in Grenzen.
Übrigens ist uns das Thema Börsen- und Anlegerpsychologie eine Geschichte im
kommenden Smart Investor wert, der am Samstag, den 26.06.2010, erscheinen wird.
Und noch ein Wort zum Fußball, manchmal ist es auch nicht verkehrt, sich gegen
die Experten zu stellen: gegen den Fußballzwerg aus Paraguay erwartete jeder
einen Sieg des amtierenden Weltmeisters Italien. Aber die Tifosi brachten
schließlich nur ein äußerst glückliches 1:1 zustande. Fußball scheint in der
Tat weitaus unberechenbarer als Börse zu sein.
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Märkte
Wie oben schon erwähnt haben sich die Börsen inzwischen wieder beruhigt.
Die Nachrichten und Aussichten von der Euro(pa)-Front sind zwar furchtbar, um
nicht zu sagen katastrophal. Wer dies jedoch als Maßstab für die zukünftige
Börsenbewegung heranzieht, der hat von Massenpsychologie allerdings noch nicht
viel gehört. Denn all die Katastrophenmeldungen wurden längst von den
Marktteilnehmern eingepreist. Dies ist am Beispiel des DAX anhand einer fast
lehrbuchmäßigen Flaggen-Formation zu erkennen, welche sich zwischen den beiden
parallelen roten Linien in Abb. 1 abzeichnet. Wir vermögen nicht zu sagen, was
die nächsten Tage genau bringen werden. Aber die nächste größeren Bewegung
sollte unserem Ansicht nach von den Bullen getragen werden, zu deutsch: Bei
einer Flagge wie sie hier eingezeichnet ist, ist von einer Korrekturmuster
auszugehen, weshalb der nächste relevante Schub nach oben gehen dürfte.
Natürlich ist dies kein feststehendes Gesetz, vor dem Hintergrund des
beschriebenen verhaltenen Sentiments jedoch, lassen wir uns zu dieser Prognose
doch hinreißen.

Abb.1: DAX mit Flagge
Eine gewisse Unterstützung unserer bullishen Sicht für den DAX sehen wir im
Verhalten anderer Indizes. Der Nasdaq-Index beispielsweise konnte zuletzt den
Abwärtstrend seit Ende April überwinden (bislang jedoch noch nicht eindeutig),
nachdem er vorher einen kleinen Doppelboden ausgebildet hat (blau
eingezeichnet). Wenn das nicht bullish anmutet, was denn dann?

Abb.2: Nasdaq mit Doppelboden
Musterdepot
Wir fühlen uns gut für den von uns prognostizierten Bullenmarkt
positioniert und sehen keinen Handlungsbedarf.
Fazit
Auch wenn wir ja grundsätzlich Antizykliker sind, so drücken wir der
deutschen Mannschaft natürlich die Daumen und hoffen, dass es wenigstens für
die Finalteilnahme langt. Damit befinden wir uns natürlich mitten in der
„Herde“ – aber Fußballspiele sind ja, Gott sei dank, keine Märkte.
Ralf Flierl, Fabian Grummes
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan
von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.