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Smart Investor Weekly 15.06.2010, 16:48  
Fußball und Börse - The sentimental Way

4:0 haben die deutschen Kicker vorgestern die australische Mannschaft besiegt – die überwiegende Mehrheit der Tippgemeinde hatte dies auch so erwartet. Nun ließe sich daraus ja folgern, dass antizyklisches Handeln so offenbar nicht immer funktioniert.

Aber ein Fußballspiel ist nun einmal kein Markt. Im Fußball treffen zwei unterschiedlich starke Mannschaften aufeinander, die in der Regel unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Der Ausgang dieses Kräftemessens ist nicht nur von den Stärken und Schwächen der Mannschaften abhängig – das Wetter, der Schiedsrichter oder auch schlicht das Glück sind weitere Faktoren. Natürlich spielen auch an der Börse die unterschiedlichsten Faktoren eine Rolle, aber der wichtigste Unterschied ist, dass hier nicht nur zwei Mannschaften gegeneinander antreten, sondern eine Vielzahl unterschiedlichster Akteure, deren Einschätzung des jeweiligen Marktes Ausdruck in ihren Investitionsentscheidungen findet. Wenn nun die überwiegende Mehrheit den Markt ähnlich einschätzt, kommt es zu ähnlichen Investitionsentscheidungen, die den Markt zunächst einmal natürlich in die entsprechenden Richtung treiben – am Ende einer solchen Entwicklung jedoch stehen quasi alle „zittrigen“ Marktteilnehmer auf einer Seite, dann beginnt das Pendel wieder in die andere Richtung zu schwingen und in der Regel werden die meisten Marktteilnehmer (nämlich eben die zittrigen) dann auf dem falschen Fuß erwischt. Der Begriff „Zittrige“ stammt übrigens von Börsenaltmeister André Kostolany und steht im Gegensatz zu den „Hartgesottenen“ oder wie wir es in unserer Geschichte „Die Gedanken des Marktes lesen“ gemäß dem legendären Richard Wyckoff nennen: den „Composite Operator“.

Im Fußball jedoch hat die Einschätzung der Spielbeobachter keinen Einfluss auf das Spiel selbst. Insofern lässt sich Sentimentanalyse nicht auf Fußball, ja noch nicht einmal auf Wirtschaft anwenden.

Das spanische Drama
Die meisten Fußballexperten sehen übrigens Spanien ganz weit vorne im Rennen um die Weltmeisterschaft. Weltmeisterlich waren bisher jedoch vor allem die spanischen Konsumenten, allerdings nicht im Fußball, sondern in der Disziplin Schuldenmachen. Da darf es nun nicht verwundern, dass die spanischen Banken, genauer vor allem der Sparkassensektor, inzwischen mit zunehmenden Problemen konfrontiert sind. Erstaunlich ist jedoch, dass dies den Markt scheinbar immer weniger berührt. Trotz der negativen Nachrichten von der iberischen Halbinsel fällt der Euro nicht mehr weiter und auch die Tendenz des DAX zeigt wieder nach oben. Neben dem inzwischen wohl allgemein verbreiteten Bewusstsein, dass im Zweifelsfall jedes bedeutsamere Unternehmen gerettet wird, zeigt sich auch hier ein anderes Phänomen der Börsenpsychologie: Die meisten Anleger haben die schlechten Nachrichten bereits verinnerlicht und das Erschrecken über die schlechten Nachrichten hält sich somit in Grenzen.


Übrigens ist uns das Thema Börsen- und Anlegerpsychologie eine Geschichte im kommenden Smart Investor wert, der am Samstag, den 26.06.2010, erscheinen wird. Und noch ein Wort zum Fußball, manchmal ist es auch nicht verkehrt, sich gegen die Experten zu stellen: gegen den Fußballzwerg aus Paraguay erwartete jeder einen Sieg des amtierenden Weltmeisters Italien. Aber die Tifosi brachten schließlich nur ein äußerst glückliches 1:1 zustande. Fußball scheint in der Tat weitaus unberechenbarer als Börse zu sein.

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Märkte
Wie oben schon erwähnt haben sich die Börsen inzwischen wieder beruhigt. Die Nachrichten und Aussichten von der Euro(pa)-Front sind zwar furchtbar, um nicht zu sagen katastrophal. Wer dies jedoch als Maßstab für die zukünftige Börsenbewegung heranzieht, der hat von Massenpsychologie allerdings noch nicht viel gehört. Denn all die Katastrophenmeldungen wurden längst von den Marktteilnehmern eingepreist. Dies ist am Beispiel des DAX anhand einer fast lehrbuchmäßigen Flaggen-Formation zu erkennen, welche sich zwischen den beiden parallelen roten Linien in Abb. 1 abzeichnet. Wir vermögen nicht zu sagen, was die nächsten Tage genau bringen werden. Aber die nächste größeren Bewegung sollte unserem Ansicht nach von den Bullen getragen werden, zu deutsch: Bei einer Flagge wie sie hier eingezeichnet ist, ist von einer Korrekturmuster auszugehen, weshalb der nächste relevante Schub nach oben gehen dürfte. Natürlich ist dies kein feststehendes Gesetz, vor dem Hintergrund des beschriebenen verhaltenen Sentiments jedoch, lassen wir uns zu dieser Prognose doch hinreißen.


Abb.1: DAX mit Flagge

Eine gewisse Unterstützung unserer bullishen Sicht für den DAX sehen wir im Verhalten anderer Indizes. Der Nasdaq-Index beispielsweise konnte zuletzt den Abwärtstrend seit Ende April überwinden (bislang jedoch noch nicht eindeutig), nachdem er vorher einen kleinen Doppelboden ausgebildet hat (blau eingezeichnet). Wenn das nicht bullish anmutet, was denn dann?

 


Abb.2: Nasdaq mit Doppelboden

Musterdepot
Wir fühlen uns gut für den von uns prognostizierten Bullenmarkt positioniert und sehen keinen Handlungsbedarf.

Fazit
Auch wenn wir ja grundsätzlich Antizykliker sind, so drücken wir der deutschen Mannschaft natürlich die Daumen und hoffen, dass es wenigstens für die Finalteilnahme langt. Damit befinden wir uns natürlich mitten in der „Herde“ – aber Fußballspiele sind ja, Gott sei dank, keine Märkte.

Ralf Flierl, Fabian Grummes

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.


 

 


 

 

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