80 Mrd. EUR Einsparungen
Diese ungeheuere Summe will die Bundesregierung einsparen – nein, nein
natürlich nicht auf einmal, sondern auf Sicht von 4 Jahren. Das relativiert die
Sache natürlich schon etwas. Und erinnern Sie sich noch wie lange und intensiv
über Steuererleichterungen diskutiert wurde? Sehr vielmehr als die
Mehrwertsteuererleichterung für Hotels kam damals dabei nicht raus. Und
vermutlich dürfte es sich bei dem Sparpaket ähnlich verhalten. Zwar war die
Regierung clever genug, den Rotstift nicht bei den 20 Millionen Rentner anzusetzen
(wer will es sich schon mit einem Drittel der Wählerschaft verscherzen?), aber dennoch
dürfte in den nächsten Tagen ein Sturm der Entrüstung losbrechen. Und als
sonderlich sturmfest haben sich Frau Merkel und der Rest der
Regierungsmannschaft bisher nicht erwiesen. Daher darf durchaus mit
„Nachbesserungen“ gerechnet werden, die
das Sparpaket ordentlich schrumpfen lassen werden. Dieser große Sparwille
dürfte sich daher recht bald als Lippenbekenntnis erweisen. Aber natürlich
lässt es sich zunächst nicht ganz von der Hand weisen, dass Sparbemühungen ganz
generell erst einmal eher deflationären Charakter haben. Allerdings sollte man
diese Bemühungen auch in das richtige Verhältnis setzten. Nehmen wir doch nur
einmal die Garantien, die die Bundesregierung für die Hypo Real Estate
abgegeben hat. Sollte nur die Hälfe davon nötig werden – eine vorsichtig
optimistische Einschätzung – wären dies immerhin rund 105 Mrd. EUR und somit
deutlich mehr als die politischen Führer dieses Landes in den kommenden Jahren
einsparen wollen.
Der Euro fällt und fällt
Und auch aufgrund der Lage an anderen Fronten dürften die Sparbemühungen nicht
allzu lange vorhalten: Der Euro fällt und fällt. Wir hatten mit einer
kurzfristigen Erholung des Euro gegenüber dem Dollar gerechnet (vgl. Smart
Investor 06/2010 S. 52) – damit lagen wir bisher offensichtlich falsch. Allerdings
hatten wir auch immer kommuniziert, dass der Euro langfristig noch deutlich
schwächer werden dürfte. Trotz des enormen Rettungsschirms (oder gerade wegen?)
steigen inzwischen auch die Marktzinsen für Länder, von denen bisher offiziell
angenommen wurde, dass sie nicht in einen Topf mit Griechenland, Spanien oder
Irland gehörten. Und doch bekommen inzwischen beispielsweise auch die
Niederlande oder Frankreich den Druck höherer Marktzinsen zu spüren. Die Folgen
dürften zweierlei sein. Zum einen könnte schon bald wieder ein neuer, noch
größerer Rettungsschirm von Nöten sein, zum anderen aber wird die EZB in
zunehmendem Maße gezwungen sein, Staatsanleihen direkt aufzukaufen. Bisher
wurden für etwa 35 Mrd. EUR Staatsanleihen direkt aufgekauft ohne genauere
Angaben darüber zu machen von wem diese Anleihen stammen. Diese direkte
Monetarisierung von Schulden wird vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft
deutlich größere Ausmaße annehmen. Dies
wird natürlich dazu führen, dass noch mehr und stärker aufgeschuldet wird – die
Sparmaßnahmen, so sie denn überhaupt kommen, werden diese großen Effekte kaum
gegenteilig beeinflussen können. Und damit zu den Märkten.
DAX kann sich nicht entscheiden
An den Märkten herrscht nach wie vor Angespanntheit und Unsicherheit. Wir
hatten ja geschrieben, dass die Korrektur zwar noch nicht vorbei ist, das
gröbste aber möglicherweise bereits hinter uns liegt. Der DAX kann sich jedoch
nach wie vor nicht entscheiden, die 6.000 Punkte Marke nachhaltig
zurückzuerobern. Die zaghaften Nährungsversuche der letzten Zeit wurden immer
wieder schnell unterbunden. Andererseits gibt es auch starke Kräfte, die ihn
oberhalb von 5.700 Punkten halten. Aus unserer Sicht kann dieses Hin und Her
noch ein bisschen andauern, bis es schließlich nach obenhin aufgelöst werden
dürfte.
Musterdepot
Im Musterdepot nehmen wir keinerlei Veränderungen vor. Von weiteren
Zukäufen sehen wir vorerst genauso ab wie von irgendwelchen Verkäufen. Unser
Stopp-Loss für das DAX-Long-Hebelzertifikat von Goldman Sachs (WKN: GS8YFB) bleibt ebenfalls im
Markt. Sollte der DAX also auf Schlusskursbasis unter 5.590 Punkte fallen, dann
stellen wir die Position glatt. Das Papier dürfte dann ungefähr bei 4,00 EUR
notieren.
Hinweis in eigener Sache
Donnerstag
und Freitag dieser Woche, 10. und 11. Juni, findet in Frankfurt sowie
München (jeweils ab 8.30 Uhr) das STIFTUNGSFRÜHSTÜCK unseres Schwestermagazins
DIE STIFTUNG unter dem Motto „Investmentchance Afrika – ein Kontinent im
Aufbruch“ statt – also passend zur Afrikabeilage des aktuellen Smart
Investor. Unser Redakteur Tobias Karow ist Moderator der Veranstaltung.
Vortragende sind u.a. Kato Mukuru, Head of African Research bei Renaissance
Capital und Jean-Pierre Gerber, Manager des BB African Opportunities (Bellevue
Asset Management). Je 10 Lesern des Smart Investor können wir in
Frankfurt (Hessischer Hof, 10.
Juni 8.30 bis 11.30 Uhr) und München (Schweisfurth-Stiftung, 11. Juni, 8.30 bis
11.30 Uhr) noch kurzfristig eine kostenlose Teilnahme ermöglichen!
Die
komplette Information zur Veranstaltung finden Sie hier ( http://www.die-stiftung.de/termine
). Bitte senden Sie eine E-Mail an Kristina Weber ( weber@die-stiftung.de
). Die ersten 10 eingehenden Anmeldungen für beide Orte werden
berücksichtigt – Sie erhalten in diesem Falle per E-Mail umgehend eine
Anmeldebestätigung.
Fazit
Es gibt nach wie vor keinen Grund von unserem Crack-up-Boom-Szenario
abzuweichen. Der Sparwille dürfte zunächst einmal ein reines Lippenbekenntnis sein
und die wirtschaftlichen Entwicklungen werden dazu führen, dass immer schneller
und immer häufiger in das System eingegriffen werden muss. Auch hier gilt:
nicht an dem was gesagt, sondern an dem was getan wird, muss sich die
politische Klasse messen lassen.
Fabian Grummes
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