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Smart Investor Weekly 08.06.2010, 17:28  
Schein und Sein - an ihren Taten werdet ihr sie erkennen!

Derweil die Regierung das größte anzunehmenden Sparprogramm verkündet, fällt der Euro auf ein Vierjahres-Tief. Nicht mehr nur die Peripherie Europas verspürt den Druck steigender Marktzinsen, sondern auch vorgeblich „solide“ Länder wie Frankreich oder die Niederlande.

80 Mrd. EUR Einsparungen
Diese ungeheuere Summe will die Bundesregierung einsparen – nein, nein natürlich nicht auf einmal, sondern auf Sicht von 4 Jahren. Das relativiert die Sache natürlich schon etwas. Und erinnern Sie sich noch wie lange und intensiv über Steuererleichterungen diskutiert wurde? Sehr vielmehr als die Mehrwertsteuererleichterung für Hotels kam damals dabei nicht raus. Und vermutlich dürfte es sich bei dem Sparpaket ähnlich verhalten. Zwar war die Regierung clever genug, den Rotstift nicht bei den 20 Millionen Rentner anzusetzen (wer will es sich schon mit einem Drittel der Wählerschaft verscherzen?), aber dennoch dürfte in den nächsten Tagen ein Sturm der Entrüstung losbrechen. Und als sonderlich sturmfest haben sich Frau Merkel und der Rest der Regierungsmannschaft bisher nicht erwiesen. Daher darf durchaus mit „Nachbesserungen“  gerechnet werden, die das Sparpaket ordentlich schrumpfen lassen werden. Dieser große Sparwille dürfte sich daher recht bald als Lippenbekenntnis erweisen. Aber natürlich lässt es sich zunächst nicht ganz von der Hand weisen, dass Sparbemühungen ganz generell erst einmal eher deflationären Charakter haben. Allerdings sollte man diese Bemühungen auch in das richtige Verhältnis setzten. Nehmen wir doch nur einmal die Garantien, die die Bundesregierung für die Hypo Real Estate abgegeben hat. Sollte nur die Hälfe davon nötig werden – eine vorsichtig optimistische Einschätzung – wären dies immerhin rund 105 Mrd. EUR und somit deutlich mehr als die politischen Führer dieses Landes in den kommenden Jahren einsparen wollen.

Der Euro fällt und fällt
Und auch aufgrund der Lage an anderen Fronten dürften die Sparbemühungen nicht allzu lange vorhalten: Der Euro fällt und fällt. Wir hatten mit einer kurzfristigen Erholung des Euro gegenüber dem Dollar gerechnet (vgl. Smart Investor 06/2010 S. 52) – damit lagen wir bisher offensichtlich falsch. Allerdings hatten wir auch immer kommuniziert, dass der Euro langfristig noch deutlich schwächer werden dürfte. Trotz des enormen Rettungsschirms (oder gerade wegen?) steigen inzwischen auch die Marktzinsen für Länder, von denen bisher offiziell angenommen wurde, dass sie nicht in einen Topf mit Griechenland, Spanien oder Irland gehörten. Und doch bekommen inzwischen beispielsweise auch die Niederlande oder Frankreich den Druck höherer Marktzinsen zu spüren. Die Folgen dürften zweierlei sein. Zum einen könnte schon bald wieder ein neuer, noch größerer Rettungsschirm von Nöten sein, zum anderen aber wird die EZB in zunehmendem Maße gezwungen sein, Staatsanleihen direkt aufzukaufen. Bisher wurden für etwa 35 Mrd. EUR Staatsanleihen direkt aufgekauft ohne genauere Angaben darüber zu machen von wem diese Anleihen stammen. Diese direkte Monetarisierung von Schulden wird vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft deutlich größere Ausmaße annehmen.  Dies wird natürlich dazu führen, dass noch mehr und stärker aufgeschuldet wird – die Sparmaßnahmen, so sie denn überhaupt kommen, werden diese großen Effekte kaum gegenteilig beeinflussen können. Und damit zu den Märkten.

DAX kann sich nicht entscheiden
An den Märkten herrscht nach wie vor Angespanntheit und Unsicherheit. Wir hatten ja geschrieben, dass die Korrektur zwar noch nicht vorbei ist, das gröbste aber möglicherweise bereits hinter uns liegt. Der DAX kann sich jedoch nach wie vor nicht entscheiden, die 6.000 Punkte Marke nachhaltig zurückzuerobern. Die zaghaften Nährungsversuche der letzten Zeit wurden immer wieder schnell unterbunden. Andererseits gibt es auch starke Kräfte, die ihn oberhalb von 5.700 Punkten halten. Aus unserer Sicht kann dieses Hin und Her noch ein bisschen andauern, bis es schließlich nach obenhin aufgelöst werden dürfte.

Musterdepot
Im Musterdepot nehmen wir keinerlei Veränderungen vor. Von weiteren Zukäufen sehen wir vorerst genauso ab wie von irgendwelchen Verkäufen. Unser Stopp-Loss für das DAX-Long-Hebelzertifikat von Goldman Sachs (
WKN: GS8YFB) bleibt ebenfalls im Markt. Sollte der DAX also auf Schlusskursbasis unter 5.590 Punkte fallen, dann stellen wir die Position glatt. Das Papier dürfte dann ungefähr bei 4,00 EUR notieren.

Hinweis in eigener Sache

Donnerstag und Freitag dieser Woche, 10. und 11. Juni, findet in Frankfurt sowie München (jeweils ab 8.30 Uhr) das STIFTUNGSFRÜHSTÜCK unseres Schwestermagazins DIE STIFTUNG unter dem Motto „Investmentchance Afrika – ein Kontinent im Aufbruch“ statt – also passend zur Afrikabeilage des aktuellen Smart Investor. Unser Redakteur Tobias Karow ist Moderator der Veranstaltung. Vortragende sind u.a. Kato Mukuru, Head of African Research bei Renaissance Capital und Jean-Pierre Gerber, Manager des BB African Opportunities (Bellevue Asset Management). Je 10 Lesern des Smart Investor können wir in Frankfurt (Hessischer Hof, 10. Juni 8.30 bis 11.30 Uhr) und München (Schweisfurth-Stiftung, 11. Juni, 8.30 bis 11.30 Uhr) noch kurzfristig eine kostenlose Teilnahme ermöglichen!

Die komplette Information zur Veranstaltung finden Sie hier ( http://www.die-stiftung.de/termine ). Bitte senden Sie eine E-Mail an Kristina Weber ( weber@die-stiftung.de ). Die ersten 10 eingehenden Anmeldungen für beide Orte werden berücksichtigt – Sie erhalten in diesem Falle per E-Mail umgehend eine Anmeldebestätigung.


Fazit
Es gibt nach wie vor keinen Grund von unserem Crack-up-Boom-Szenario abzuweichen. Der Sparwille dürfte zunächst einmal ein reines Lippenbekenntnis sein und die wirtschaftlichen Entwicklungen werden dazu führen, dass immer schneller und immer häufiger in das System eingegriffen werden muss. Auch hier gilt: nicht an dem was gesagt, sondern an dem was getan wird, muss sich die politische Klasse messen lassen.

Fabian Grummes

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:
Eine mit “*“ gekennzeichnete Aktie wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.


 


 

 

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