Nun mögen
die Anhänger einiger anderer Clubs berechtigerweise jammern und monieren dies
ist ein Börsen- und Finanznewsletter, da habe Fußball wenig verloren und die
arroganten Bayern mag eh keiner sehen…aber darum soll es hier nicht gehen.
Vielmehr ist der FC Bayern ein wunderbares Beispiel dafür, wie ein auf den
Prinzipien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie basierendes
Wirtschaften ein Unternehmen langfristig und dauerhaft erfolgreich macht.
Eigenfinanzierung
Als erstes wäre da das schon legendäre Festgeldkonto der Bayern zu nennen.
Die meisten Investitionen, die der Club tätigt, kann er also aus sich selbst
heraus finanzieren. Falls er doch einmal auf Kreditfinanzierung angewiesen sein
sollte (wie im Falle des Stadionbaus), dann in einem angemessenen Maße und
keinesfalls so, dass am Ende die Existenz des Vereins auf dem Spiel steht. Wie
einsam stehen die Bayern mit diesem Verhalten da. Nicht nur unter ihrer direkten
Konkurrenz im Fußball, auch überall sonst in der Wirtschaft hat die Fremdfinanzierung
maßgeblich Einzug gehalten (vgl. Smart Investor 5/2010 S. 23). Wer sich aber primär
mittels Krediten finanziert, der gerät im Falle eines Misserfolgs sehr schnell
in Schieflage. Das mussten etliche Konkurrenten der Bayern bereits erfahren und
auch diejenigen, die sich nicht für Fußball interessieren, haben mit dem
aktuellen Fall Griechenland ein schönes Anschauungsobjekt für diese ökonomische
Tatsache.
(Übrigens
und nur zur Erinnerung: in den vergangenen vierzig Jahren gelang es der BRD
lediglich ein einziges Mal einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren)
Zu seinen Prinzipien stehen und
langfristig denken
Lange Jahre
hat sich der FC Bayern (bzw. der ihn personifizierende Manager des Vereins Uli
Hoeneß)
geweigert
über ein vernünftiges Maß hinaus Geld auszugeben und sich für teure Stars zu
verschulden. Und dies obwohl er fürchten musste insbesondere von internationalen
Clubs wie Madrid oder Chelsea abgehängt zu werden. Die langfristige Strategie
zahlte sich jedoch aus, der FC Bayern ist nach wie vor schuldenfrei und absolut
unabhängig. Dies sind natürlich Attribute, die gerade in wirtschaftlichen
Krisenzeiten immer gefragter sind. Schließlich ist es für die Angestellten ein
beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man am Monatsende sein Gehalt pünktlich und
in voller Höhe ausgezahlt bekommen wird. Außerdem verfügen die Bayern nun, da
vielen Clubs die Schulden bis zum Hals stehen, über genug Kapital, um ihrerseits
am Transfermarkt tätig zu werden und relativ günstig Spieler anzuwerben.
Weiterhin
hat der FC Bayern frühzeitig erkannt, dass langfristige Perspektiven von Nöten
sind. Nach dem Erfolg der französischen Equipe Tricolore in der
Weltmeisterschaft 1998, haben die Bayern Anleihen beim französischen
Ausbildungssystem genommen und angefangen langfristig in den eigenen Nachwuchs
zu investieren – der Erfolg gibt ihnen heute recht, schließlich kommt mehr als
ein Drittel der Stammspieler aus der eigenen Jugend.
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Verantwortung für seine Angestellten
Ein
Unternehmen ist nicht nur den schwarzen Zahlen verpflichtet, sondern auch dem
Wohl seiner Angestellten – nicht aus Gutmenschentum, sondern weil es im
ureigenen Interesse eines Unternehmens liegt. Das Wissen, sich auf seinen
Arbeitgeber verlassen zu können, stärkt die Motivation und fördert das
Betriebsklima. Wer fair behandelt wird, leistet mehr und ist auch bereit sich
über das Geforderte hinaus zu engagieren. Die Bayern haben sich auch stets als
fairer Arbeitgeber verhalten. Ob ein Gerd Müller oder ein Sebastian Deisler,
die ehemaligen ebenso wie die aktiven Spieler konnten und können sich immer
darauf verlassen, dass sie der Verein mit Rat und Tat unterstützt und ihnen im
Falle einer persönlichen Krise beisteht und nicht fallen lässt. Dennoch muss
natürlich auch das Leistungsprinzip gelten und wer sich als Blender entpuppt
oder dem langfristigen Erfolg im Wege steht, der wird dann eben auch entlassen
– selbstverständlich ohne dass nachgekartet wird.
Bayern steht nicht allein
Der FC
Bayern steht dabei nicht allein da, zahllose, insbesondere mittelständische
Unternehmen verhalten sich den Prinzipien der Österreichischen Schule
entsprechend – meistens ohne es zu wissen, da ein Großteil dieser Prinzipien
auf dem gesunden Menschenverstand basiert und somit auch von den meisten
Menschen sofort nachvollzogen und intuitiv befolgt werden kann. Nur in den
aufoktroyierten, verqueren (weil widernatürlichen) Systemen à la Fiat-Money und
globalen Wirtschaftskonglomeraten kann sich der gesunde Menschenverstand nicht
durchsetzen und entsprechend glaubt beispielsweise die politische Klasse nach
wie vor, dass sich die Krise mit einem Mehr des Stoffes lösen ließe, der sie
verursacht hat: Schulden! Und damit zu den Märkten.
Zu den Märkten
Und weil
die politisch Verantwortlichen diesem Glauben nach wie vor anhängen, wird es
nicht zu einem zweiten deflationären Crash kommen. Auch wenn dies
beispielsweise Dirk Müller im Interview in der kommenden Ausgabe (6/2010 S.25)
erwartet. Das falsche System wird so lange als möglich erhalten. Die
Konsequenzen eines Zusammenbruchs wären so verheerend, dass dies die politische
Klasse nicht überstünde. Aus dem Lehman-Zusammenbruch hat die globale
politische und wirtschaftliche Führung den Schluss gezogen, dass sich so etwas
nie wieder ereignen darf. Jeder drohende Zusammenbruch wird daher mit noch mehr
Geld verhindert werden. Das Ende vom Lied ist natürlich der totale und
endgültige Zusammenbruch des Finanzsystems via Hyperinflation, welches quasi am
Vielen Geld erstickt. An dieser Stelle sei unbedingt betont, dass wir nicht aus
purer Freude an der Katastrophe ein so pessimistisches Bild zeichnen, sondern
weil die Dinge beim Namen genannt werden müssen. Nur dadurch sind wir in der
Lage uns auf sie vorzubereiten (vgl. dazu auch in der kommenden Ausgabe: „Das
große Bild“ S. 48).
Musterdepot
Vergangenen
Mittwoch haben wir das DAX-Long-Hebelzertifikat (WKN: GS8YFB) von Goldman Sachs
zum Eröffnungskurs von 9,45 EUR gekauft. Unser Kauflimit für Aurelius* (WKN:
A0JK2A) ging bisher nicht auf. Da wir hier aber zum Zuge kommen wollen, erhöhen
wir das Kauflimit auf 15,90 EUR:
Aurelius* (WKN:
A0JK2A) 500 Stück 15,90 EUR ca.
2,5% Depotvolumen
Die Käufe
und Verkäufe des vergangenen Monats können Sie ebenso wie die die gesamte
Musterdepotaufstellung wie üblich im neuen Heft nachlesen.
Am Samstag kommt der Smart Investor!
Wegen des
Pfingstwochenendes erscheint unsere Juni-Ausgabe bereits eine Woche früher und
Sie sollten das neue Heft somit bereits am kommenden Samstag (22.05.2010) in
ihrem Briefkasten finden. Die beiden asiatischen Giganten China und Indien sind
Titelthema dieser Ausgabe, zu dem wir beispielsweise den Asienexperten Karl
Pilny („Das asiatische Jahrhundert“) befragen. Daneben nehmen wir die
börsennotierten Beteiligungsgesellschaften genau unter die Lupe. Wir erörtern darüber
hinaus die Frage, wie man die richtige Sektorauswahl vornimmt und weil wir in
jüngster Zeit häufig Fragen zu Silvio Gesell erhielten, nahmen wir dies zum
Anlass, uns sehr kritisch mit seiner aus unserer Sicht falschen
Wirtschaftslehre auseinanderzusetzen. In der Edelmetallrubrik widmen wir uns
dem Thema Silber und wie üblich kommt die Analyse ausgewählter Aktien nicht zu
kurz. Außerdem gibt es als besonderen Leckerbissen eine Afrika-Beilage, in der
wir die vielfältigen Chancen dieses Kontinents erläutern und Stimmen zu Wort
kommen lassen, die man nicht unbedingt täglich in der (westlichen)
Investmentwelt hört. Freuen sie sich also auf eine spannende und anregende
Lektüre an Pfingsten.
Österreicher in Hamburg
Am 29. und 30. Mai veranstaltet
das Institut für Austrian Asset Managementein ein Wochenendeseminar mit dem
Titel „Vermögensanlage in der Krise“. Smart
Investor Chefredakteur Ralf Flierl spricht hier über das letzte Aufbäumen des
Finanzsystems. Auf der vorletzten Seite des PDFs finden Sie das
Anmeldeformular:
http://www.ifaam-institut.de/wp-content/uploads/2010/04/Anlegerseminar_Hamburg_Mai_2010.pdf
Fazit
Trotz allem
haben wir die Hoffnung noch nicht auf gegeben, dass sich der gesunde
Menschenverstand am Ende durchsetzen wird, auch wenn wir möglicherweise zuvor
durch ein Tal der Tränen gehen werden müssen. Smart Investor wird auch weiterhin
versuchen die wirtschaftlichen Entwicklungen frühzeitig zu skizzieren, damit
für Sie, liebe Leser, dieses Tal nicht allzu tief werden wird. Einstweilen aber
wünschen wir Ihnen ein erholsames Pfingstwochenende und drücken am Samstag dem
FC Bayern München in Madrid die Daumen.
Fabian
Grummes
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