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Smart Investor Weekly 18.05.2010, 17:49  
Das Prinzip Bayern München - Österreichische Schule in Reinkultur

Angesichts dessen, dass am kommenden Samstag der FC Bayern München im Finale der Champions League gegen Inter Mailand antritt und zwei Drittel der Smart Investor-Redaktion Bayern-Fans sind, gibt es heute einen „sportlichen“ Weekly zu lesen.

Nun mögen die Anhänger einiger anderer Clubs berechtigerweise jammern und monieren dies ist ein Börsen- und Finanznewsletter, da habe Fußball wenig verloren und die arroganten Bayern mag eh keiner sehen…aber darum soll es hier nicht gehen. Vielmehr ist der FC Bayern ein wunderbares Beispiel dafür, wie ein auf den Prinzipien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie basierendes Wirtschaften ein Unternehmen langfristig und dauerhaft erfolgreich macht.

Eigenfinanzierung
Als erstes wäre da das schon legendäre Festgeldkonto der Bayern zu nennen. Die meisten Investitionen, die der Club tätigt, kann er also aus sich selbst heraus finanzieren. Falls er doch einmal auf Kreditfinanzierung angewiesen sein sollte (wie im Falle des Stadionbaus), dann in einem angemessenen Maße und keinesfalls so, dass am Ende die Existenz des Vereins auf dem Spiel steht. Wie einsam stehen die Bayern mit diesem Verhalten da. Nicht nur unter ihrer direkten Konkurrenz im Fußball, auch überall sonst in der Wirtschaft hat die Fremdfinanzierung maßgeblich Einzug gehalten (vgl. Smart Investor 5/2010 S. 23). Wer sich aber primär mittels Krediten finanziert, der gerät im Falle eines Misserfolgs sehr schnell in Schieflage. Das mussten etliche Konkurrenten der Bayern bereits erfahren und auch diejenigen, die sich nicht für Fußball interessieren, haben mit dem aktuellen Fall Griechenland ein schönes Anschauungsobjekt für diese ökonomische Tatsache.

(Übrigens und nur zur Erinnerung: in den vergangenen vierzig Jahren gelang es der BRD lediglich ein einziges Mal einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren)

 

Zu seinen Prinzipien stehen und langfristig denken

Lange Jahre hat sich der FC Bayern (bzw. der ihn personifizierende Manager des Vereins Uli Hoeneß)

geweigert über ein vernünftiges Maß hinaus Geld auszugeben und sich für teure Stars zu verschulden. Und dies obwohl er fürchten musste insbesondere von internationalen Clubs wie Madrid oder Chelsea abgehängt zu werden. Die langfristige Strategie zahlte sich jedoch aus, der FC Bayern ist nach wie vor schuldenfrei und absolut unabhängig. Dies sind natürlich Attribute, die gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten immer gefragter sind. Schließlich ist es für die Angestellten ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man am Monatsende sein Gehalt pünktlich und in voller Höhe ausgezahlt bekommen wird. Außerdem verfügen die Bayern nun, da vielen Clubs die Schulden bis zum Hals stehen, über genug Kapital, um ihrerseits am Transfermarkt tätig zu werden und relativ günstig Spieler anzuwerben.

Weiterhin hat der FC Bayern frühzeitig erkannt, dass langfristige Perspektiven von Nöten sind. Nach dem Erfolg der französischen Equipe Tricolore in der Weltmeisterschaft 1998, haben die Bayern Anleihen beim französischen Ausbildungssystem genommen und angefangen langfristig in den eigenen Nachwuchs zu investieren – der Erfolg gibt ihnen heute recht, schließlich kommt mehr als ein Drittel der Stammspieler aus der eigenen Jugend.

 

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Verantwortung für seine Angestellten

Ein Unternehmen ist nicht nur den schwarzen Zahlen verpflichtet, sondern auch dem Wohl seiner Angestellten – nicht aus Gutmenschentum, sondern weil es im ureigenen Interesse eines Unternehmens liegt. Das Wissen, sich auf seinen Arbeitgeber verlassen zu können, stärkt die Motivation und fördert das Betriebsklima. Wer fair behandelt wird, leistet mehr und ist auch bereit sich über das Geforderte hinaus zu engagieren. Die Bayern haben sich auch stets als fairer Arbeitgeber verhalten. Ob ein Gerd Müller oder ein Sebastian Deisler, die ehemaligen ebenso wie die aktiven Spieler konnten und können sich immer darauf verlassen, dass sie der Verein mit Rat und Tat unterstützt und ihnen im Falle einer persönlichen Krise beisteht und nicht fallen lässt. Dennoch muss natürlich auch das Leistungsprinzip gelten und wer sich als Blender entpuppt oder dem langfristigen Erfolg im Wege steht, der wird dann eben auch entlassen – selbstverständlich ohne dass nachgekartet wird.

 

Bayern steht nicht allein

Der FC Bayern steht dabei nicht allein da, zahllose, insbesondere mittelständische Unternehmen verhalten sich den Prinzipien der Österreichischen Schule entsprechend – meistens ohne es zu wissen, da ein Großteil dieser Prinzipien auf dem gesunden Menschenverstand basiert und somit auch von den meisten Menschen sofort nachvollzogen und intuitiv befolgt werden kann. Nur in den aufoktroyierten, verqueren (weil widernatürlichen) Systemen à la Fiat-Money und globalen Wirtschaftskonglomeraten kann sich der gesunde Menschenverstand nicht durchsetzen und entsprechend glaubt beispielsweise die politische Klasse nach wie vor, dass sich die Krise mit einem Mehr des Stoffes lösen ließe, der sie verursacht hat: Schulden! Und damit zu den Märkten.  

 

Zu den Märkten

Und weil die politisch Verantwortlichen diesem Glauben nach wie vor anhängen, wird es nicht zu einem zweiten deflationären Crash kommen. Auch wenn dies beispielsweise Dirk Müller im Interview in der kommenden Ausgabe (6/2010 S.25) erwartet. Das falsche System wird so lange als möglich erhalten. Die Konsequenzen eines Zusammenbruchs wären so verheerend, dass dies die politische Klasse nicht überstünde. Aus dem Lehman-Zusammenbruch hat die globale politische und wirtschaftliche Führung den Schluss gezogen, dass sich so etwas nie wieder ereignen darf. Jeder drohende Zusammenbruch wird daher mit noch mehr Geld verhindert werden. Das Ende vom Lied ist natürlich der totale und endgültige Zusammenbruch des Finanzsystems via Hyperinflation, welches quasi am Vielen Geld erstickt. An dieser Stelle sei unbedingt betont, dass wir nicht aus purer Freude an der Katastrophe ein so pessimistisches Bild zeichnen, sondern weil die Dinge beim Namen genannt werden müssen. Nur dadurch sind wir in der Lage uns auf sie vorzubereiten (vgl. dazu auch in der kommenden Ausgabe: „Das große Bild“ S. 48). 

 

Musterdepot

Vergangenen Mittwoch haben wir das DAX-Long-Hebelzertifikat (WKN: GS8YFB) von Goldman Sachs zum Eröffnungskurs von 9,45 EUR gekauft. Unser Kauflimit für Aurelius* (WKN: A0JK2A) ging bisher nicht auf. Da wir hier aber zum Zuge kommen wollen, erhöhen wir das Kauflimit auf 15,90 EUR:

 

Aurelius* (WKN: A0JK2A)                                        500 Stück   15,90 EUR           ca. 2,5% Depotvolumen

 

Die Käufe und Verkäufe des vergangenen Monats können Sie ebenso wie die die gesamte Musterdepotaufstellung wie üblich im neuen Heft nachlesen.

 

Am Samstag kommt der Smart Investor!

Wegen des Pfingstwochenendes erscheint unsere Juni-Ausgabe bereits eine Woche früher und Sie sollten das neue Heft somit bereits am kommenden Samstag (22.05.2010) in ihrem Briefkasten finden. Die beiden asiatischen Giganten China und Indien sind Titelthema dieser Ausgabe, zu dem wir beispielsweise den Asienexperten Karl Pilny („Das asiatische Jahrhundert“) befragen. Daneben nehmen wir die börsennotierten Beteiligungsgesellschaften genau unter die Lupe. Wir erörtern darüber hinaus die Frage, wie man die richtige Sektorauswahl vornimmt und weil wir in jüngster Zeit häufig Fragen zu Silvio Gesell erhielten, nahmen wir dies zum Anlass, uns sehr kritisch mit seiner aus unserer Sicht falschen Wirtschaftslehre auseinanderzusetzen. In der Edelmetallrubrik widmen wir uns dem Thema Silber und wie üblich kommt die Analyse ausgewählter Aktien nicht zu kurz. Außerdem gibt es als besonderen Leckerbissen eine Afrika-Beilage, in der wir die vielfältigen Chancen dieses Kontinents erläutern und Stimmen zu Wort kommen lassen, die man nicht unbedingt täglich in der (westlichen) Investmentwelt hört. Freuen sie sich also auf eine spannende und anregende Lektüre an Pfingsten.

 

Österreicher in Hamburg
Am 29. und 30. Mai veranstaltet das Institut für Austrian Asset Managementein ein Wochenendeseminar mit dem Titel „Vermögensanlage in der Krise“. Smart Investor Chefredakteur Ralf Flierl spricht hier über das letzte Aufbäumen des Finanzsystems. Auf der vorletzten Seite des PDFs finden Sie das Anmeldeformular:
http://www.ifaam-institut.de/wp-content/uploads/2010/04/Anlegerseminar_Hamburg_Mai_2010.pdf

 

Fazit

Trotz allem haben wir die Hoffnung noch nicht auf gegeben, dass sich der gesunde Menschenverstand am Ende durchsetzen wird, auch wenn wir möglicherweise zuvor durch ein Tal der Tränen gehen werden müssen. Smart Investor wird auch weiterhin versuchen die wirtschaftlichen Entwicklungen frühzeitig zu skizzieren, damit für Sie, liebe Leser, dieses Tal nicht allzu tief werden wird. Einstweilen aber wünschen wir Ihnen ein erholsames Pfingstwochenende und drücken am Samstag dem FC Bayern München in Madrid die Daumen.

 

Fabian Grummes

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:
Eine mit “*“ gekennzeichnete Aktie wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Dienstagnachmittag.



 

 

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