„Peak“ bedeutet im
Hochsommer, bei wolkenlosem Himmel, mittags um 12 Uhr, wenn die Sonne exakt im
rechten Winkel auf das Modul strahlt. Da es in der Realität auch Winter,
Wolken, Nacht und wandernden Sonnenstand gibt, bleibt von der imposanten
Peak-Leistung in Deutschland gerade mal ein Neuntel an Durchschnittsleistung
übrig.
5.300 MWp bedeutet also nicht viel mehr als 590 MW. Was kann man sich darunter
vorstellen? Im finnischen Olkiluoto entsteht derzeit Europas modernster
Kernkraftwerksblock mit einer Leistung von 1.600 MW. Nun rechnen Sie mal aus,
wie lange noch Solarzellen auf deutsche Dächer geschraubt werden müssten, um
nur einen Block eines Kernkraftwerks still legen zu können (Olkiluoto hat
inzwischen bereits zwei Blöcke in Betrieb.).
Unabhängig davon, wie man zu den Risiken der Kernenergie steht, kommt man an
einer Erkenntnis nicht vorbei: Mit dem heutigen Stand der Photovoltaik wird es
NIEMALS möglich sein, auch nur ein Kernkraftwerk zu ersetzen. Was bringt das
dann?
Eine andere Frage: Wie viel Energie erzeugen alle in Deutschland installierten
Solarmodule, und wie viel Öl entspricht dies? 590 MW mal 365 Tage mal 24
Stunden/Tag ergibt 5,2 Terawattstunden (TWh). Da ein Kilogramm Öl ca. 12,5 KWh
Energie enthält, entspricht dies rund 415.000 Tonnen.
Das hört sich erst einmal imposant an – ist aber nicht mehr als das, was 15
Flugzeuge vom Typ Airbus A380 pro Jahr verbrauchen! Wenn man jetzt noch in
Betracht zieht, dass der A380 rund 25% sparsamer ist als die Flieger, die er
ersetzt, dann heißt das auch: 45 A380 sparen mehr Energie als alle bis heute
auf deutsche Dächer geschraubten Solarzellen erzeugen!
Unheimlich wird das Photovoltaik-Luftschloss, wenn man seine Kosten kennt: Alle
deutschen Solarzellen haben bis heute über 40 Mrd. Euro gekostet – diese werden
über die kommenden zwanzig Jahre über die viel zu hohe „Einspeisevergütung“ auf
unsere Stromrechnungen umgelegt und damit sozialisiert. Fürs gleiche Geld hätte
man beispielsweise 160 Airbus A380 kaufen können, die a) fliegen können und b)
nebenbei das Dreifache an Energie gespart hätten.
Wenn es nur um die Energiebilanz geht, lässt sich offenbar in anderen Bereichen
mit weniger Aufwand deutlich mehr erreichen. Wollte man dennoch bei den
erneuerbaren Energien bleiben, hilft folgende Beispielrechnung weiter: Für
Windstrom reicht eine Einspeisevergütung von rund 9 Cent/KWh.
Photovoltaik-Strom hingegen braucht 43 Cent/KWh. Fazit: Windräder liefern fürs
gleiche Geld fünfmal soviel Energie!
Welche Schlüsse ziehen wir Investoren daraus? Die Hälfte aller Solarzellen der
Welt findet sich auf deutschen Dächern. Subventionen sind scheinbar wichtiger
als Sonnenschein. Ohne die hohe deutsche Einspeisevergütung scheint die
Photovoltaik-Industrie finanziell nicht lebensfähig – nicht auszudenken, wenn
sie gestrichen würde. Sollte, was wir alle hoffen, jemand eine bessere
Solarzelle entwickeln, dürften die Anbieter der bisherigen Technik ein
ähnliches Schicksal erleiden wie Polaroid nach Erfindung der Digitalkamera.
Und selbst wenn im besten Fall alles so bleibt wie es ist, haben die
aufgebauten Überkapazitäten der Branche zumindest einen Preisverfall in Gang
gesetzt. Das ist erfreulich für die Käufer, aber Gift für die Renditen der
Anbieter. Sehen Sie Chancen, die diese Risiken rechtfertigen? Übrigens: Mit
11,2 Mrd. Euro kostet die Airbus-Mutter EADS weniger als alle börsennotierten
Solarzellenhersteller zusammen.
Dr. Jürgen Meyer, Head of Euroland & German Equities, SEB Asset Management
Die Kolumne erschien ursprünglich in der
GoingPublic Sonderausgabe Solartechnologie 2009.