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GoingPublic Kolumne 11.09.2009, 09:57  
Megawattpeak - ... oder die Rechnung, die nicht aufgeht

Laut dem Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) e.V. wurden in Deutschland im Jahr 2008 Solarzellen mit einer Leistung von 1.500 Megawattpeak (MWp) neu installiert. Die Gesamtleistung aller installierten Anlagen beträgt rund 5.300 MWp. Das kleine Wörtchen „Peak“ ist die Erfindung eines Marketing-Genies.

„Peak“ bedeutet im Hochsommer, bei wolkenlosem Himmel, mittags um 12 Uhr, wenn die Sonne exakt im rechten Winkel auf das Modul strahlt. Da es in der Realität auch Winter, Wolken, Nacht und wandernden Sonnenstand gibt, bleibt von der imposanten Peak-Leistung in Deutschland gerade mal ein Neuntel an Durchschnittsleistung übrig.

5.300 MWp bedeutet also nicht viel mehr als 590 MW. Was kann man sich darunter vorstellen? Im finnischen Olkiluoto entsteht derzeit Europas modernster Kernkraftwerksblock mit einer Leistung von 1.600 MW. Nun rechnen Sie mal aus, wie lange noch Solarzellen auf deutsche Dächer geschraubt werden müssten, um nur einen Block eines Kernkraftwerks still legen zu können (Olkiluoto hat inzwischen bereits zwei Blöcke in Betrieb.).

Unabhängig davon, wie man zu den Risiken der Kernenergie steht, kommt man an einer Erkenntnis nicht vorbei: Mit dem heutigen Stand der Photovoltaik wird es NIEMALS möglich sein, auch nur ein Kernkraftwerk zu ersetzen. Was bringt das dann?

Eine andere Frage: Wie viel Energie erzeugen alle in Deutschland installierten Solarmodule, und wie viel Öl entspricht dies? 590 MW mal 365 Tage mal 24 Stunden/Tag ergibt 5,2 Terawattstunden (TWh). Da ein Kilogramm Öl ca. 12,5 KWh Energie enthält, entspricht dies rund 415.000 Tonnen.

Das hört sich erst einmal imposant an – ist aber nicht mehr als das, was 15 Flugzeuge vom Typ Airbus A380 pro Jahr verbrauchen! Wenn man jetzt noch in Betracht zieht, dass der A380 rund 25% sparsamer ist als die Flieger, die er ersetzt, dann heißt das auch: 45 A380 sparen mehr Energie als alle bis heute auf deutsche Dächer geschraubten Solarzellen erzeugen!

Unheimlich wird das Photovoltaik-Luftschloss, wenn man seine Kosten kennt: Alle deutschen Solarzellen haben bis heute über 40 Mrd. Euro gekostet – diese werden über die kommenden zwanzig Jahre über die viel zu hohe „Einspeisevergütung“ auf unsere Stromrechnungen umgelegt und damit sozialisiert. Fürs gleiche Geld hätte man beispielsweise 160 Airbus A380 kaufen können, die a) fliegen können und b) nebenbei das Dreifache an Energie gespart hätten.

Wenn es nur um die Energiebilanz geht, lässt sich offenbar in anderen Bereichen mit weniger Aufwand deutlich mehr erreichen. Wollte man dennoch bei den erneuerbaren Energien bleiben, hilft folgende Beispielrechnung weiter: Für Windstrom reicht eine Einspeisevergütung von rund 9 Cent/KWh. Photovoltaik-Strom hingegen braucht 43 Cent/KWh. Fazit: Windräder liefern fürs gleiche Geld fünfmal soviel Energie!

Welche Schlüsse ziehen wir Investoren daraus? Die Hälfte aller Solarzellen der Welt findet sich auf deutschen Dächern. Subventionen sind scheinbar wichtiger als Sonnenschein. Ohne die hohe deutsche Einspeisevergütung scheint die Photovoltaik-Industrie finanziell nicht lebensfähig – nicht auszudenken, wenn sie gestrichen würde. Sollte, was wir alle hoffen, jemand eine bessere Solarzelle entwickeln, dürften die Anbieter der bisherigen Technik ein ähnliches Schicksal erleiden wie Polaroid nach Erfindung der Digitalkamera.

Und selbst wenn im besten Fall alles so bleibt wie es ist, haben die aufgebauten Überkapazitäten der Branche zumindest einen Preisverfall in Gang gesetzt. Das ist erfreulich für die Käufer, aber Gift für die Renditen der Anbieter. Sehen Sie Chancen, die diese Risiken rechtfertigen? Übrigens: Mit 11,2 Mrd. Euro kostet die Airbus-Mutter EADS weniger als alle börsennotierten Solarzellenhersteller zusammen.

Dr. Jürgen Meyer, Head of Euroland & German Equities, SEB Asset Management

 

Die Kolumne erschien ursprünglich in der GoingPublic Sonderausgabe Solartechnologie 2009.


 

 

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