Mittlerweile gibt es
sogar den Kampf der Subventionen statt einen Kampf gegen sie. Aktuell stehen
gerade die Abwrackprämie 2.0 vs. Solarstromförderung im Ring. Eine
Wirtschaftszeitung hat das Thema Photovoltaik passend zum Sommer entdeckt und
publikumswirksam gerechnet. Das Ergebnis, lautet verkürzt in etwa: Je mehr
Photovoltaikanlagen in Deutschland ans Netz gehen, umso mehr Einspeisevergütung
muss gezahlt werden. Und weil derzeit ungeachtet des Gejammeres der verwöhnten
Branche Kilowatt um Kilowatt auf Dächer und Äcker geschraubt werden, werde das
auf Dauer sehr teuer. Viel zu teuer, sekundiert das RWI, und der unvermeidliche
Herr Krawinkel von den Verbraucherschützern haut mal locker einen Pflock ein:
Um 30% müsste die Einspeisevergütung sinken. Sofort und mindestens. Glaubt er,
der Strompreis ist in Deutschlang wegen des EEG so hoch, wie er ist ?
Wie auch immer: Wenn es eine Subvention gibt, deren Zielsetzung wirklich
zukunftsweisend war, dann das Erneuerbare Energien Gesetz. Dass auch hier
stetig nachjustiert und auf ein möglichst schnelles Auslaufen hingearbeitet
werden muss, steht außer Frage; der volkswirtschaftliche Erfolg der Idee und
der ökologische Gewinn sollten eigentlich unbestritten sein. Was die Verfechter
des Atomstroms und anderer nicht regenerativer Energien aber nicht daran
hindert, ihre stete Kampagne zu betreiben.
Ganz anders zum Beispiel sieht es bei der Abwrackprämie aus, dessen
ökologisches Feigenblatt auf Nanogröße geschrumpft ist, das Mitnahme- und
Vorzieheffekte begünstigt und ohne Zweifel schmerzliche Anpassungsprozesse
hinauszögert. Denn wenn zehn große Autobauer jeweils ambitionierte
Wachstumsziele ausgeben, der weltweite Markt aber – wenn überhaupt –
bestenfalls geringfügig wächst, genügt die Anwendung der Grundrechenarten um herauszubekommen,
dass es Verlierer geben wird.
Doch diese Klientel-Versorgung, an Gestrigkeit schwer zu überbieten, findet so
großen Zuspruch, dass nun über die Abwrackprämie 2.0 diskutiert wird, indem die
Versteuerung des geldwerten Vorteils für Fahrzeuge für Betriebsangehörige
gesenkt werden soll. Einstweilen wird vor der Wahl zurückgerudert, doch das
Thema ist gesetzt. Die energiepolitische Sprecherin der FDP, Gudrun Kopp, hat
für den Fall der Regierungsbeteiligung schon mal angekündigt, die Vergütungssätze
des EEG schnellstmöglich auf den Prüfstand zu stellen. So soll wohl eine Art
theoretischer Gegenfinanzierung aufgemacht werden.
Die Diskussion um diese beiden Subventionen zeigt, wie kurzsichtig die Politik
bisweilen agiert und die aktuelle öffentliche Diskussion hierzulande geführt
wird. Politische Börsen haben kurze Beine, keinen Zweifel, aber in diesem Fall
dürfte ein schwarz-gelber Wahlsieg dauerhafte Auswirkungen auf die hiesige
Photovoltaikbranche besitzen. Der noch immer ambitionierten Bewertung vieler
Unternehmen und der fernöstlichen Konkurrenz eingedenk ist zu Vorsicht zu
mahnen – auch wenn Sonnenenergie unverzichtbarer denn je ist.
Stefan Preuß
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