| Hidden Champions |
08.07.2010, 11:46 |
| Dorma GmbH & Co. KGaA - Aus der Tiefe des geteilten Raumes
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Die Dorma GmbH & Co. KGaA ist ein geradezu klassisches Beispiel für die Tatsache, dass in Branchen, die scheinbar maximal unsexy sind, ausgesprochen attraktive Unternehmen entstehen können.
Produkte rund um die
Tür, Raumtrennsysteme und Glasbeschlagtechnik – man kann vor dem geistigen Auge
den geneigten Investor gähnen sehen. Doch gemach: Türsysteme sind unter
Design-, Funktions- und Sicherheitsaspekten mittlerweile absolutes
Hightech-Gebiet. Und als Weltmarktführer in vielen Segmenten kann Dorma
beachtliche Margen realisieren. Anders ausgedrückt: An der Börse würde das
Familienunternehmen aus Ennepetal offene Türen einrennen. Oder genauer: Die
Türen würden automatisch mit Dorma-Technik öffnen.
Dorma – noch immer wirklich „hidden“
Für den gut geschulten Türbeschlags-Fachverkäufer sowie Planer und
Architekten dürfte der Markenname „Dorma“ zum Tagesgeschäft gehören. Ansonsten zählt
das 1908 gegründete Unternehmen allerdings zu den wirklich versteckten
Champions der Republik. Was nachvollziehbar ist, denn Dorma wendet sich nicht
an den Endkunden: Wer braucht schon einen Raumteiler im Wohnzimmer oder
interessiert sich dafür, von welchem Lieferanten der Beschlag der Haustür
stammt? Dass es im Tür- und Teiler-Business aber nicht um Peanuts geht, zeigen
die Zahlen: In einem durch die Wirtschaftskrise geprägten Geschäftsjahr 2008/09
(Ende 30.06.) lag der Gesamtumsatz der Dorma-Gruppe in Höhe von 882 Mio. Euro
mit einem nur leichten Rückgang um 1,3% (währungs- und akquisitionsbereinigt
-0,3%) nahezu auf Vorjahresniveau.
Die liquiden Mittel sind im Berichtsjahr von 120,6 Mio. Euro auf 180,2 Mio.
Euro gestiegen. Die Eigenkapitalquote stieg von 59 auf 62,5%. Der operative
Cashflow lag mit 85,9 Mio. EUR auf hohem Niveau. Das Ergebnis vor Steuern (EBT)
in Höhe von 59,8 Mio. EUR entspricht einer Umsatzrendite von 6,8%. Die Zahl der
Beschäftigten sank im Vorjahresvergleich um 290 von 6.911 auf 6.621
Mitarbeiter. Wenn man so will in den Zeiten der Fußball-WM: Aus der Tiefe des
geteilten Raumes stürmt das Unternehmen Richtung Umsatzmilliarde.
Typische Familienbetriebs-Geschichte
Das Unternehmen wurde 1908 von Rudolf Mankel und seinem Schwager Wilhelm
Dörken in Ennepetal als Dörken & Mankel KG gegründet. Erste Produkte waren
Pendeltürbänder und gefräste Schrauben. Von Beginn an stellten beide höchste
Qualitätsansprüche an ihre Produkte. In der Chronik ist überliefert: „Lieber
für einen guten Preis das Beste liefern, statt die Abnehmer und den Verbraucher
zu enttäuschen.“ 1927 erfolgte beim Patentamt die Eintragung des Markennamens
Dorma, eine Zusammenfügung aus den Nachnamen der Firmengründer. 1950 startete
das Unternehmen mit der Produktion von Türschließern durch. In dieser Sparte
ist Dorma klarer Weltmarktführer. Bereits 1962 unternahm das Unternehmen mit
der Fertigung von Antrieben erste Schritte in der Automatik. 1970 wurde aus der
Dörken & Mankel KG die Dorma GmbH + Co. KG, und mit Karl-Rudolf Mankel
stieg die dritte Familiengeneration in das Unternehmen ein. Die globale
Ausrichtung des Unternehmens und die Erweiterung der Produktsegmente wurden
vorangetrieben.
Dorma bezeichnet sich als ein internationaler Systemanbieter von Produkten rund
um die Tür. In den Bereichen Türschließtechnik, mobile Raumtrennsysteme und in
der Glasbeschlagtechnik ist das Unternehmen Weltmarktführer. Auch bei
automatischen Türsystemen gehört Dorma zur Weltspitze. Zudem ist das
Unternehmen erfolgreich im Geschäftsfeld Sicherungstechnik/Zeit- und
Zutrittskontrolle tätig und hier in der Flucht- und Rettungswegtechnik
Deutschlands Nr. 1. Wesentliche Produktionsstätten liegen in Europa, Singapur,
Malaysia, China sowie Nord- und Südamerika. Heute ist das Familienunternehmen mit
71 Gesellschaften in 47 Ländern direkt vertreten, der Hauptsitz befindet sich
nach wie vor in Ennepetal.
Moderne Holdingsstruktur
Seit 2001 firmiert Dorma als Kommanditgesellschaft auf Aktien, das Thema
Börsengang sei bislang aber nie akut gewesen und werde es auf absehbare Zeit
auch nicht werden, so Sprecher Helge Wego. Man sei durch die Rechtsform
vorbereitet für den Kapitalmarkt, angesichts der hohen Eigenkapitalquote
bestehe aktuell aber keinerlei Finanzierungsbedarf. „Wie in der Vergangenheit
können wir das angestrebte Wachstum aus dem Cashflow realisieren, und wenn
überhaupt, sind auch nur kleinere Akquisitionen sinnvoll, die ebenfalls
eigenfinanziert werden.“
Seit 2009 ist mit den Töchtern Christine und Stephanie Mankel die vierte
Generation im Unternehmen, die beiden sind auch Hauptaktionäre; der vorherige
Alleineigentümer Karl-Rudolf Mankel, Enkel des Firmengründers, besitzt nur noch
einen Minderheitsanteil. Ob die vierte Generation je ins operative Geschäft
eingreift, sei nicht abzusehen. Man habe mit der Führung des Unternehmens durch
Manager gute Erfahrungen gemacht und verspüre keinerlei Nachteile, nicht an der
Börse gelistet zu sein, im Gegenteil: „So werden wir von niemandem getrieben“,
erklärt Sprecher Wego. Die Familie habe das Eigenkapital des Unternehmens
stetig gepflegt und nur „immer sehr wenig Geld entnommen“. Bei der Rekrutierung
fähigen Nachwuchses gebe es keine Schwierigkeiten. Bei einschlägigen Rankings
über bevorzugte Arbeitgeber belegt Dorma stets vordere Platzierungen, da man durch
die Internationalität des Geschäftes attraktive Chancen bieten könne. Und
selbstverständlich gebe es Boni-Regelungen, allerdings nicht über Aktien.
Fazit
Dorma hat sich in mehr als 100 Jahren Firmengeschichte eine Stellung auf
dem Weltmarkt erarbeitet, von der viele börsennotierte Unternehmen, die sich
gerne vollmundig Weltmarktführer nennen, nur träumen können. Vergangenes Jahr
wurde die Marke von 100 Mio. produzierten Türschließern durchbrochen. Für ein
Familienunternehmen kommuniziert Dorma sehr offen, selbst Ertragszahlen werden
detailliert veröffentlicht. Dorma ist die geradezu klassische Erfolgsgeschichte
des mittelständischen Unternehmens aus der Provinz, das mit klarer Fokussierung
in seinem Segment eine globale Rolle spielt.
Stefan Preuß
Kurzprofil Dorma GmbH & Co. KGaA
Gründungsjahr: 1908
Branche: Türsysteme, Glasbeschläge, Sicherheitstechnik
Unternehmenssitz: Ennepetal
Mitarbeiter 2009: 6.600
Konzernumsatz 2009 (30.06.): 882 Mio. EUR
EBT: 60 Mio. EUR
Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 7/2010.
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