| IPO im Fokus |
05.12.2011, 14:34 |
| Ultrasonic - Schuhhersteller sucht Traktion an der Börse
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Fünf Monate fast ist es her, dass sich der letzte Börsenaspirant an die Öffentlichkeit traute. Ultrasonic wäre ausgerechnet das 13. IPO dieses Jahr, über alle Marktsegmente. Der chinesische Hersteller von Schuhsohlen und Markenschuhen möchte planmäßig am 9. Dezember im Prime Standard seinen ersten Fußabdruck an deutschen Börsen hinterlassen.
Angeboten werden 1,5
Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung, zuzüglich möglicher 0,225 Mio. Aktien
einer Überzeichnungsreserve. Firmengründer und Vorstandsvorsitzender Qingyong
Wu, dem 82% der Aktien gehören, gibt keine Anteile ab und hat einer 18-monatigen
Sperrfrist zugesagt. Sollte sich angesichts flauer Märkte ein Emissionserlös
nicht realisieren lassen, würde ein reines Listing durchgeführt. Auch
Verpackungsspezialist Youbisheng Green Paper – das erwähnte bislang letzte, 12.
IPO dieses Jahres – war praktisch kaum mehr als eine reine Notierungsaufnahme.
Börsennotiz als Image-Agenda
In der Tat ist Ultrasonic nicht auf einen Mittelzufluss angewiesen. Schon jetzt
hat das Unternehmen rund 60 Mio. EUR in der Kasse, mit Aktienplatzierung bis zu
80 Mio. EUR – dem stünde eine Marktkapitalisierung von nur 105 bis 129 Mio. EUR
gegenüber. Mit oder ohne Emissionserlös sieht die weitere Agenda den Ausbau der
Produktionskapazitäten und die Erweiterung des Vertriebsnetzes vor. Wozu dann
überhaupt ein Gang an die Öffentlichkeit? "Ein Börsengang – unabhängig
davon, wo dieser stattfindet – bedeutet für ein chinesisches Unternehmen einen
immensen Statusgewinn", bestätigt Firmenchef Wu gegenüber dem GoingPublic
Magazin. Und mit dem Begriff "made in Germany" kann in China ohnehin
jeder etwas anfangen.
Sohlen, Slipper, Markenschuhe
Die Unternehmensgeschichte ist schnell erzählt und eingängig: Das 1998
gegründete Unternehmen mit heute 1.400 Mitarbeitern produziert Sandalen und
Slipper im gehobenen Preissegment, Schuhsohlen für führende Markenhersteller
und schließlich Markenschuhe in Eigenregie ("Urban Footwear") für die
aufstrebende chinesische Mittelklasse. Mit bis zu 150 EUR pro Paar erreichen
Letztere praktisch West-Niveau. Während das Segment Sohlen und Sandalen/Slipper
nur mit 10 bis 20% im laufenden Jahr zulegt, wird Urban Footwear mit mehr als
40% Marktwachstum als das mit Abstand lukrativste künftige Betätigungsfeld
identifiziert. Innerhalb der nächsten vier Jahre soll sich die adressierbare
Marktgröße auf mehr als 3 Mrd. EUR fast vervierfachen. Und mit nur 1,9 Paar
Schuhverbrauch pro Jahr hat China noch reichlich Aufholpotential gegenüber z.B.
Taiwan (3,7), der EU (knapp 5) oder den USA (über 7). Basis des
Ultrasonic-Plans, daran auch maßgeblich teilzuhaben, ist ein Ausbau seiner
Flagship Stores, also Mono-Label-Shops, in denen sich der Kunde umzingelt von
nichts als der Eigenmarke wiederfindet, auf das Doppelte im nächsten Jahr
(150). Bis Ende 2013 sollen es gar 250 sein.
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Ultrasonic -
Geschäfts- und Kennzahlen
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2010
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2011e
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2012e
|
2013e
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Umsatz*
|
102,1
|
118,0
|
134,0
|
152,0
|
|
Nettoergebnis*
|
21,9
|
24,8
|
26,3
|
28,5
|
|
EpS
|
1,87
|
2,12
|
2,24
|
2,43
|
|
KGV min.
|
4,8
|
4,3
|
4,0
|
3,7
|
|
KGV
max.
|
5,9
|
5,2
|
4,9
|
4,5
|
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*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Basis 11,725 Mio.
Aktien nach IPO
Quelle: BankM-Emissionsstudie
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Nettogewinnmargen über 20%
Im vergangenen Jahr erreichten die Erlöse bereits die Schwelle von 100 Mio. EUR,
mit einer Aufteilung von exakt je einem Drittel auf die Segmente. Im aktuellen
Jahr, so zeigen die Halbjahreszahlen, dürften die Umsätze um rund 15 bis 20%
zulegen. Bei einer Nettogewinnmarge von über 20% ist Ultrasonic leidlich
profitabel. Konsortialbank BankM schätzt in ihrer Emissionsstudie (die wie
gewohnt öffentlich verfügbar ist) einen Erlösanstieg auf 175 Mio. EUR bis 2014,
wobei Ultrasonic dabei knapp 32 Mio. EUR verdienen sollte (weitere Zahlen in
der Tabelle). Mit einem KGV von 4,2 bis 5,1 ist Ultrasonic auf den ersten Blick
extrem günstig bewertet, doch darf man nicht vergessen, dass die anderen
Chinesen-IPOs derzeit auch allesamt mit ähnlichen Kennzahlen notieren. Der
Abschlag auf den fairen Wert (resultierend aus DCF-Verfahren und Peergroup-Analyse)
– der unter "normalen Umständen" sicher nicht bei einem KGV von 4-5
läge – beträgt rund 50%, und zwar pre-IPO, also ohne jeglichen Emissionserlös.
Der Konsortialführer ist nicht bekannt dafür, börsenuntüchtige Unternehmen zu
bringen.
Pro & Contra
+ etablierte Marke, gute Ausgangsposition
+ Eigenkapitalquote >70%
+ Nettoliquidität rund 50 Mio. EUR, ohne Emissionserlös
+ hohe freie Cashflows >20 Mio. EUR pro Jahr
+ keine Abgabe von Altaktionären (keine Umplatzierung)
- "China-IPO"-Malus
- illiquider Börsenhandel absehbar
- Unternehmensrisiken wie Konkurrenz, Markteintrittsbarrieren und speziell
Modetrends
- steigende Löhne in China (betrifft allerdings auch die Konkurrenz)
Fazit
Unabhängig davon, wie gut ein chinesisches Unternehmen auch aussieht: Der
Wind an deutschen Börsen ist rau, KGVs von 3 bis 6 sind derzeit durchgängig die
Regel, nicht die Ausnahme. Wir halten das Unternehmen für absolut attraktiv,
was nicht viel bedeutet, denn auch Youbisheng, China Specialty Glass oder
United Power haben sich kursmäßig (nicht in den Geschäftszahlen) überaus
dürftig präsentiert. Vor diesem zwiegespaltenen Hintergrund lautet unser Urteil
für Interessierte zwar zeichnen/kaufen, jedoch an chinesische Emittenten der
Appell trotz aller Liebe zum Unternehmenswachstum, eine ordentliche Dividende
zu etablieren, da sich Investoren anders wohl nicht von einer noch so starken
Papierform überzeugen lassen dürften.
Falko Bozicevic
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Ultrasonic -
Emissionsparameter
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WKN
|
A1K REX
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Erstnotiz
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voraussichtlich 9.
Dez.
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Zeichnungsfrist
|
bis 7. Dez.
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Preis
|
9 bis 11 Euro
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MarketCap
|
105 bis 129 Mio.
Euro
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Marktsegment
|
Prime Standard
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Emissionsprospekt
|
ja
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Emissionsvolumen
|
1,5 Mio. Aktien aus
KE (+0,225 Mio. Aktien GS aus KE),
Volumen = 15,5 bis
19 Mio. Euro
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Konsortium
|
BankM (+Selling
Agents)
|
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Free Float
|
max. 15-28%
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