| IPO im Fokus |
29.04.2010, 16:57 |
| GSW Immobilien - Faire Bewertung, aber kein Selbstläufer
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Nach einem längeren Hin-und-Her hat die Berliner Wohnungsgesellschaft die Weichen für den Börsengang gestellt. Damit kommt der größte private Wohnungseigentümer der Hauptstadt an die Börse. Das IPO ist jedoch alles andere als ein Selbstläufer.
Goldman Sachs-Fonds
Whitehall und Finanzinvestor Cerberus hatten dem Land Berlin vor sechs Jahren
die 1924 gegründete Gesellschaft für rund 405 Mio. EUR zuzüglich 1,6 Mrd. EUR
Schulden abgekauft. Jetzt sollen maximal 64 % an die Börse gebracht werden. GSW
selbst hofft dabei auf insgesamt (Kapitalerhöhung plus Umplatzierung) bis zu
524 Mio. EUR. Berücksichtigt man, dass börsennotierte Immobilienaktien
(Bestandshalter) weiterhin einen Discount auf ihren Nettosubstanzwert/NAV
(Immobilienvermögen abzüglich Schulden) von bis zu 50% aufweisen, liegt die
GSW-Emissionsbewertung auf Basis der Bookbuildingspanne im Bereich des
Vertretbaren. Zum NAV kommt heute keine Immobiliengesellschaft mehr an die
Börse.
Jenseits der Bilanzoptik
Die augen(ge)fällige Ertragssteigerung im letzten Jahr ist
erläuterungsbedürftig. So kletterte der Nettogewinn um rund 60 % auf 172 Mio.
EUR. Darin sind Höherbewertungen von 126 Mio. EUR für 2009 enthalten, nach 60
Mio. EUR im Vorjahr. Angesichts eines Gesamtportfoliowerts von etwa 2,6 Mrd.
EUR entspricht diese Aufwertung allerdings gerade einmal einem Plus von 5 %. Im
Gespräch mit dem GoingPublic Magazin wies Vorstandschef Thomas Zinnöcker auf
die zuvor konservative Bilanzierung hin – fragt sich also, wie jetzt bilanziert
wird. Richtig ist aber, dass GSW seit jeher auf stetige jährliche
Höherbewertungen setzte, während andere Bestandshalter im Boom bis 2007 erst
massiv auf-, dann genauso massiv wieder abgewertet haben – was unter dem Strich
auf ungefähr das Gleiche hinausläuft. Selbst nach den jüngsten Hochschreibungen
befindet sich GSW noch nicht auf Höhe vergleichbarer Bewertungen im Raum
Berlin. Konkurrent Deutsche Wohnen liegt in der Bewertung noch vor GSW, während
den Vergleichsunternehmen Gagfah und Colonia Real Estate weniger hochwertige
Portfolien nachgesagt werden. Insofern liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte
und GSWs Bestandsbewerter CB Richard Ellis glaubt sie zu kennen.
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GSW Immobilien -
Geschäfts- und Kennzahlen
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2008
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2009
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2010e
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Operatives
Ergebnis*
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185,7
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229,0
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245,0
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Nettoergebnis*
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107,7
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172,1
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58,0
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EpS
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2,43
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3,88
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4,51
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*) in Mio. Euro;
Quelle: GoingPublic Research
Klingelnde Kassen
Mit dem Emissionserlös aus der Kapitalerhöhung – 140 Mio. EUR werden angestrebt,
danach richtet sich auch die Anzahl der Aktien aus dem KE-Anteil – sollen
Schulden zurückgeführt werden. 2013 laufen 900 Mio. EUR und damit ein Großteil
der Verbindlichkeiten aus. Man muss sich dabei aber die Größenordnung des
Kapitalerhöhungsanteils und der letztjährigen Ausschüttung an Whitehall und
Cerberus vor Augen führen: Zwar erhielten sie keine Dividende, dafür aber 450
Mio. EUR Zinsen auf ein Gesellschafterdarlehen – immerhin haben sie damit ihren
ehemaligen Kaufpreis schon eingespielt, noch bevor sie eine einzige Aktie
verkauft haben. Jedoch hat die Zustimmung des Landes Berlin zum avisierten
Börsengang 30 Mio. EUR gekostet.
Alles wird gut? – mit und nach dem
Börsengang
Die beiden Finanzinvestoren lassen GSW mit einem hohen Loan-to-Value-Ratio
von 58 % zurück (1,6 Mrd. EUR Schulden im Verhältnis zu 2,6 Mrd. EUR
Immobilienvermögen) – als Real Estate Investment Trust (REIT) wäre das gerade
so an der Grenze der erlaubten maximal 60 %. Nach GSW-Planungen möchte man die
Mieten in diesem und nächstem Jahr um 2,5% pro Jahr anheben und – natürlich –
auch die Leerstandsquote senken, die derzeit bei 4,5% liegt. Betroffene Mieter
– übrigens größtenteils Rentner und Arbeitslose – werden bei diesen Plänen
sicherlich nicht Beifall klatschen, was erklärt, weshalb der Börsengang zu
einem Politikum avancierte. Plötzlich glaubt sich jede Partei zum Anwalt
argloser Mieter aufschwingen zu müssen – Wahlkampfpause gibt es schließlich nie
wirklich, und Nettotransferempfänger gestalten schon heute den politischen
Alltag.
Einen glasklaren Interessenkonflikt bei diesem IPO stellt die Funktion von
Goldman Sachs dar. Das Finanzinstitut ist einerseits Verkäufer (über den
Whitehall-Fonds), andererseits Konsortialführer. Welche Interessen –
Alteigentümer, neue Investoren, Unternehmen? – dabei am höchsten gewichtet
sind, kann nur gemutmaßt werden. Goldman Sachs und Deutsche Bank zusammen
bildeten bereits das Konsortialführer-Duo beim wenig schmeichelhaften IPO von
Gagfah Immobilien im Herbst 2006.
Dividendentitel
Rund zwei Drittel der jährlichen Funds from Operations (FFO exklusive
Vertriebsergebnis) sollen als Dividende ausgeschüttet werden. Das wären ca. 40
Mio. EUR für 2009 oder ungefähr 1 EUR je Aktie. Daraus errechnet sich eine
Rendite von ca. 6 % auf Basis der Mitte der Preisspanne. GSW sieht sich selbst
am besten mit der Deutsche Wohnen AG verglichen: Tatsächlich sehen die meisten
Kennzahlen der Berliner im Kontrast dazu vorteilhaft aus.
Fazit
Der Börsengang von GSW wird ein Gradmesser für die Aufnahmefähigkeit des
Marktes für Immobiliengesellschaften – deren jüngster Neuzugang immerhin rund
drei Jahre zurückliegt. Harte Roadshows für das Management sind garantiert,
sollten angesichts eines Abschlags zwischen 24 und 38 % auf den
Nettosubstanzwert jedoch zu bewerkstelligen sein. Ähnlich wie bei Kabel
Deutschland (nur 1% ging an inländische Investoren) dürften die
Konsortialbanken ihr Heil bei angelsächsischen Institutionellen suchen:
Entweder kennen die sich besser aus auf unseren heimischen Märkten oder auch
das Gegenteil trifft zu. Wir halten die Emissionsbewertung für fair, sehen in
GSW aber keinen Outperformer nach der hoffentlich glückenden Börsennotierung.
Eine Zeichnung drängt sich somit nicht auf.
Falko Bozicevic
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GSW Immobilien -
Emissionsparameter
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WKN
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GSW 111
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Erstnotiz
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7. Mai
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Zeichnungsfrist
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bis max. 6 Mai
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Preis
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15 bis 18,50 Euro
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MarketCap
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665 bis 820 Mio. Euro
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Marktsegment
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Prime Standard
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Emissionsprospekt
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ja
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Emissionsvolumen
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max. 9,33 Mio. Aktien Kapitalerhöhung,
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bis zu 15,3 Mio. Aktien (+ max. 3,7
Mio. Greenshoe) Umplatzierung,
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Emissionsvolumen gesamt 370 bis 524
Mio. Euro
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Konsortium
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Deutsche Bank, Goldman Sachs
(Co-Lead)
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Free Float
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max 63,9 %
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Internet
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www.gsw.de
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