| IPO im Fokus |
22.03.2010, 10:56 |
| Brenntag - Die Chemie stimmt nicht ganz
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Chemikalienhändler Brenntag liefert sich mit Kabel Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den größten Börsengang seit dem IPO von HHLA vor über zwei Jahren. Brenntag scheint dabei die spannendere Alternative zu sein. Dennoch stimmt irgendetwas nicht mit der „Chemie“.
Börsengang
Wie Kabel Deutschland befindet sich auch Brenntag in Private-Equity-Besitz.
Im Unterschied zum Kabelnetzbetreiber bietet der Chemiedistributeur jedoch in
erster Linie Aktien aus einer Kapitalerhöhung an. Daraus können dem Unternehmen
zwischen 483 und 588 Mio. EUR zufließen, wenn man die Preisspanne von 46 bis 56
EUR pro Aktie zugrunde legt. Bei kompletter Ausübung der Mehrzuteilungsoption
aus 1,95 Mio. Aktien kann der Emissionserlös am oberen Ende der Preisspanne bei
bis zu 837 Mio. EUR liegen – bei einem Streubesitzanteil von 29%. Die
Marktkapitalisierung dürfte sich dann auf bis zu 2,8 Mrd. EUR belaufen. Dazu
wirken neben Deutscher Bank und Goldman Sachs als Co-Konsortialführer u.a. BofA
Merrill Lynch und J.P. Morgan am Börsengang mit.
Zahlen
Nach Verlusten in den Jahren 2007 und 2008 wies Brenntag im Jahr 2009 eine
schwarze Null aus. Eine Prognose des KGV ist somit – ähnlich wie bei Kabel
Deutschland – kaum möglich. Auch an einer Peer Group kann sich Brenntag schwer
orientieren. Einziger börsennotierter Wettbewerber ist das britische
Unternehmen Bunzl. Wie hoch der Abschlag im Vergleich zur Bewertung des
Konkurrenten ausfällt, hängt mit der Bewertungsmethode zusammen: Wird das KGV
herangezogen, wäre Brenntag am oberen Ende der Preisspanne sogar teurer. Beim
Verhältnis von Eigenkapital plus Finanzschulden zum EBITDA läge der Abschlag
zwischen 21 und 32%.
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Brenntag
– Geschäfts- und Kennzahlen
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2009
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2010e
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2011e
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Umsatz*
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6.347
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6.500
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7.000
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Nettoergebnis*
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0,5
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50,0
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75,0
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EpS
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0,01
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0,97
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1,46
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KGV
min.
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-
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47,4
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31,6
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KGV
max.
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-
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57,7
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38,5
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*) in Mio., sämtliche Angaben in EUR; Quelle: eigene
Schätzungen GoingPublic Research
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Geschäftsfeld
Die Chemiedistribution ist auf jeden Fall eine Branche mit
Wachstumspotenzial. Laut einer Studie der Boston Consulting Group werden
bislang gerade mal 9% des weltweiten Chemiehandels über Intermediäre wie
Brenntag abgewickelt. In den Jahren 2006 bis 2008 ist der Markt für
Chemiehandel mit durchschnittlich 10% stärker gewachsen als die Chemiebranche
selbst mit 8,5%. Zudem ist dieser Markt sehr stark segmentiert: Mit einem
Anteil von 7% und insgesamt über 150.000 Kunden ist Brenntag führend. Dabei ist
das Mülheimer Unternehmen in Europa und Südamerika bereits die Nummer eins.
Lediglich in den USA muss sich Brenntag mit dem dritten Platz zufrieden geben.
Interessant für Brenntag und die Wettbewerber sind Liefergrößen, die kleiner
sind als eine Lkw-Ladung. Größere Mengen werden direkt zwischen Käufer und
Verkäufer gehandelt. Im Jahr 2009 organisierte Brenntag rund 3,3 Mio.
Ausfuhren.
Schuldenlast
Wie bei Unternehmen in Private-Equity-Besitz nicht unüblich, hat Brenntag
eine hohe Schuldenlast zu tragen: Die Nettoschulden belaufen sich auf rund 2,5
Mrd. EUR. Dass BC Partners ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 700 Mio. EUR
in Eigenkapital wandelt, drückt die Verbindlichkeiten zunächst auf etwa 1,8
Mrd. EUR. Da die Erlöse aus der Kapitalerhöhung zum Schuldenabbau herangezogen
werden sollen, würden davon nach dem Börsengang aber dennoch rund 1,3 Mrd. EUR
bleiben. Konkret will Brenntag ein Mezzanine-Darlehen in Höhe von über 400 Mio.
EUR begleichen, dessen Laufzeit eigentlich bis 2016 angelegt war. Das würde dem
Unternehmen nach eigenen Angaben 25 Mio. EUR jährlich an Zins und Tilgung
sparen.
Einkaufstour
Ein Grund für den hohen Schuldenstand von Brenntag ist wohl auch die rege
Akquisitionstätigkeit des Unternehmens. Seit 1991 kaufte der Chemiehändler 91
Unternehmen, alleine seit 2007 waren es 21. Dabei handelt es sich allerdings
meist um kleinere Betriebe, die Brenntag insgesamt 221 Mio. EUR (seit 2007)
kosteten. In der Bilanz stehen durch die zahlreichen Zukäufe inzwischen fast
1,8 Mrd. EUR an immateriellen Vermögenswerten. Die Strategie der kleinen
Übernahmen soll weiter verfolgt werden, die Finanzierung dabei aus dem Cashflow
erfolgen.
Chancen und Risiken
Was das Marktumfeld angeht, sind sowohl Chancen als auch Risiken eher als
gering einzustufen. Brenntag bewegt sich zwar an der Schnittstelle zweier
volatiler Branchen – Chemie und Logistik –, jedoch wird der Markt
voraussichtlich weiterhin moderat wachsen. Bei einem trotz Marktführerschaft
gerade mal einstelligen Marktanteil rechnet sich Brenntag zu Recht Chancen aus,
diesen weiter auszubauen. Dass das Unternehmen trotz seiner fast 100
Akquisitionen bislang noch nicht weiter ist, spricht für einen schwierigen
Markt.
Auf bilanzieller Seite bleibt auch nach dem IPO eine Schuldenlast von deutlich
über 1 Mrd. EUR stehen. Die Reduktion der Zinszahlungen um 25 Mio. EUR nach
Begleichung des Mezzanine-Darlehens macht dabei nur bedingt Hoffnung auf
nachhaltige Profitabilität. So stellt sich auch bei stabilem Geschäftsumfeld
die Frage, ob Brenntag langfristig die Gewinnzone erreichen und halten kann.
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Brenntag – Emissionsparameter
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WKN
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A1D AHH
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Erstnotiz
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29. März
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Zeichnungsfrist
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16.-26. März
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Preis
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46 bis 56 EUR
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MarketCap
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2,4 bis 2,9 Mrd. EUR
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Marktsegment
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Prime
Standard
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Emissionsprospekt
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ja
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Emissionsvolumen
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10,5 Mio. Aktien aus
Kapitalerhöhung,
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2,5 Mio. Aktien von
Altaktionären
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weitere 1,95 Mio. als
Greenshoe von Altaktionären;
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Emissionsvolumen 688
bis 837 Mio. EUR
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Konsortium
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Deutsche Bank, Goldman
Sachs (Co-Lead); diverse weitere
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Free Float
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max.
29%
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Internet
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www.brenntag.com
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Fazit
Mehrheitseigner BC Partners gibt sich sichtlich Mühe, einen ordentlichen
Börsengang seiner Tochter Brenntag zu gewährleisten. Dafür spricht schon die
kurzfristige Eigenkapitalspritze in Höhe von 700 Mio. EUR, was die Passivseite
der Bilanz freundlicher erscheinen lässt. Auch dass der Erlös der
Kapitalerhöhung für den Schuldenabbau eingesetzt werden soll, ist mehr eine
Notwendigkeit als ein erstrebenswertes Ziel. Allerdings nehmen die
Alteigentümer eine abwartende Haltung ein: Schließlich bleiben nach dem IPO
über 70% des Unternehmens in ihrem Besitz – in der Hoffnung auf eine höhere
Bewertung in der Zukunft. Anleger sollten ähnlich abwartend verfahren: Den
Nachweis, eine (noch) höhere Bewertung zu verdienen, muss Brenntag erst einmal
erbringen.
Oliver Bönig, Falko Bozicevic
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