| IPO im Fokus |
16.03.2010, 16:16 |
| Kabel Deutschland - Börsengang mit Geburtsfehlern
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Der bekannteste deutsche Kabelnetzbetreiber macht den Anfang einer „IPO-Schwemme“, die vor Ostern über das Land schwappen soll. Anleger sollten um diesen Neuzugang aber einen Bogen machen.
Börsengang
Zur Zeichnung werden 30 Mio. Aktien zuzüglich einer Mehrzuteilungsoption von
weiteren 4,5 Mio. Aktien angeboten, die jeweils komplett vom Alteigentümer
Providence Equity Partners stammen. Die Private Equity-Gesellschaft ist derzeit
im Besitz von 88 % der Aktien der Unterföhringer Gesellschaft. Nach dem IPO
läge der Streubesitz bei max. 38,3 %, wenn man von einer Ausübung des
Greenshoes ausgeht. Deutsche Bank und Morgan Stanley bilden als Joint Leader
die Konsortialführung, mit an Bord sind darüber hinaus auch JP Morgan und UBS.
Zahlen
Der nach eigenen Angaben größte deutsche Kabelnetzbetreiber hat im
zurückliegenden Geschäftsjahr 2008/09 ca. 1,37 Mrd. Euro umgesetzt. Das
Nettoergebnis lag bei -144,4 Mio. Euro. Im laufenden Geschäftsjahr, das am 31.
März endet, dürfte ein Erlöswachstum im einstelligen Bereich realisiert worden
sein. Unklar ist noch, ob Kabel Deutschland dabei erstmalig profitabel
wirtschaftete. So zeigen die letzten Geschäftsjahre hohe Nettoverluste von 144,
96 und 166 Mio. Euro in chronologisch rückläufiger Reihenfolge. Hauptschwäche
ist der hohe Fremdkapitalanteil, auf den das Unternehmen im letzten
Geschäftsjahr allein 305 Mio. Euro an Zinsen aufwenden musste. So liegt der
Unternehmenswert inklusive Nettoverbindlichkeiten bei rund 5 Mrd. Euro. Zur
Berechnung eines (potentiellen) Kurs-Gewinn-Verhältnisses nur die
Marktkapitalisierung von voraussichtlich etwa 2 Mrd. Euro heranzuziehen,
schätzt das KGV somit doppelt so gut ein, wie es tatsächlich wäre –
vorausgesetzt, die Gesellschaft vermag in kommenden Jahren überhaupt die
Profitabilität zu erreichen. Die Konsortialführer errechneten für Kabel
Deutschland einen fairen Wert von bis zu 6,6 Mrd. Euro – unter diesem
Gesichtspunkt böte die Emissionsbewertung einen Abschlag. Ohne berechenbares
KGV relativiert sich dieser vermeintliche Discount.
Chancen & Risiken
Wo kommt nun mögliches Wachstum her? Die Abonnentenzahl liegt schon seit Jahren
festzementiert bei ungefähr 9 Mio. Steigern ließ sich jedoch der Umsatz pro
Kunde, und zwar von 8,3 Euro/Monat im Geschäftsjahr 2006/07 auf über 11
Euro/Monat Ende 2009. Aktuell liegt Kabel Deutschland irgendwo bei knapp über
12 Euro. Hier ließe sich der Hebel ansetzen zu einerseits mehr
Subscriber-Diensten (Premium TV, Internet, Telefon), anderseits zu
höherwertigen Diensten. Abonnenten der spanischen Ono beispielsweise bezahlen
jeden Monat rund 50 Euro. Auch in anderen Ländern sind die Kundenumsätze höher.
Deutschland hätte demnach mit das größte Aufholpotential. Jedoch scheint der
hiesige Markt besonders schwierig zu bearbeiten. Immerhin ließ sich bislang in
Deutschland („Geiz ist geil“) nicht einmal mit Bundesligafußball (premiere bzw.
Sky) Geld verdienen. Die Konsortialführer unterstellen in ihren Prognosen, dass
es Kabel Deutschland gelingt, die monatlichen Kundenumsätze auf 20 Euro
signifikant zu steigern. Scheitert dies, dürfte das Erreichen nachhaltiger
Profitabilität ausbleiben. Die Deutsche Telekom betreibt ähnliche Bemühungen
mit ihrem IPTV-Angebot, was den Margen kaum gut tun wird.
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Kabel
Deutschland - Geschäfts- und Kennzahlen
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20008/09
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2009/10e
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2010/11e
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Umsatz*
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1370,0
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1450,0
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1500,0
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Nettoergebnis*
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-144,3
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25,0
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50,0
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EpS
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-1,60
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0,28
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0,56
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KGV
min.
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neg.
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77,4
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38,7
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KGV
max.
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neg.
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91,8
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45,9
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*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle:
eigene Schätzungen GoingPublic Research
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Gj.ende 31. März
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Planungen und Perspektiven
Da Kabel Deutschland im Zuge des IPOs keinerlei frische Mittel zukommen, bleibt
die Unternehmenssituation – hohe Verschuldung, hoher Zinsdienst – komplett
unverändert. Über dem Aktienkurs schwebt darüber hinaus noch das
Damoklesschwert weiterer Abverkäufe durch Providence, da sich die Gesellschaft
ursprünglich von mehr als den derzeitigen max. 34,5 Mio. Aktien trennen wollte.
Kein gutes Mitgift also für den Börsenaspiranten. Insgesamt weckt der
Kabel-Börsengang die sehr starke – und wenig angenehme – Erinnerung an das
Debüt von Versatel vor ziemlich exakt drei Jahren: die selbe Branche, das selbe
Exit-Modell, der selbe Konsortialführer. Nach wenigen Monaten hatte Versatel
zwei Drittel an Börsenwert verloren. Genau wie bei Kabel Deutschland jetzt
waren bei Versatel seinerzeit sowohl die Prognosen als auch die Bewertung viel
zu optimistisch und der Börsengang ganz eindeutig vom Exit-Wunsch der
Alteigentümer getrieben – der um so höher sein dürfte, wenn sich die Aktie
wider Erwarten günstiger entwickeln sollte. Dies ist für potentielle
Neuinvestoren kein allzu überzeugendes Argument. Insgesamt vermisst man beim
Kabel-Börsengang die Investment Story praktisch komplett, abgesehen von der
Hoffnung auf steigende ARPUs (Average Revenue per User).
Fazit
Vor dem Hintergrund mangelnder Profitabilität und vager Wachstumsperspektiven –
ganz abgesehen vom Exit-Drang des Alteigentümers Providence – kann man
Investoren nur raten, einen Bogen um die Aktien von Kabel Deutschland zu
machen. Selbst wenn sie aufgrund relativ gut planbarer Basiserlöse nicht exakt
das gleiche Schicksal wie Branchen-Peer-Unternehmen Versatel erleiden dürften,
sind die Ausgangsvoraussetzungen alles andere als vorteilhaft. Dass Kabel
Deutschland zudem auf die eigentlich obligatorische IPO-Pressekonferenz
verzichtete, kann nur einem Übermaß an Selbstsicherheit oder einem Defizit bei
der Emissionsberatung geschuldet sein – im Übrigen wurde auch der Wunsch nach
einem Gespräch mit dem Management geblockt. Klares Votum: meiden. Dass die
Orderbücher einige Tage vor Ende der Zeichnungsfrist dem Vernehmen nach gefüllt
sein sollen, ändert unser Votum bezüglich der generellen Perspektiven jedoch
nicht.
Falko Bozicevic
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Kabel
Deutschland - Emissionsparameter
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WKN
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KD8 888
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Erstnotiz
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22. März
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Zeichnungsfrist
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bis max. 19. März
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Preis
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21,50 bis 25,50 Euro
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MarketCap
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1,9 bis 2,3 Mrd. Euro
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Marktsegment
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Prime Standard
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Emissionsprospekt
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ja
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Emissionsvolumen
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30 Mio. Aktien vom
Alteigentümer,
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weitere 4,5 Mio. als
Greenshoe vom Alteigentümer;
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Emissionsvolumen
645 bis 880 Mio. Euro
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Konsortium
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Deutsche Bank, Morgan
Stanley (Joint Lead); JP Morgan, UBS u.a.
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Free Float
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max.
38,3 %
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Internet
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www.kabeldeutschland.de
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