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15.07.2010, 11:52 |
| Immobilienaktien... - und REITs international
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Immobilienaktien haben sich nach dem Absturz im Zuge der Finanzkrise inzwischen erholen können. Ist das nur ein Zwischenspiel innerhalb einer deflationären Baisse, oder befinden wir uns im Vorfeld einer Flucht in Sachwerte aus Angst vor drohender Inflation und Staatsbankrott? Sind dann nicht Ertrag bringende Sachwerte, wie sie Immobilienaktien und REITs repräsentieren, besonders attraktiv?
Es dürfte klüger sein, in einen
schuldenfreien griechischen REIT mit einer Dividendenrendite von über 10% zu
investieren als in Staatsanleihen dieses Landes mit einer ebenso hohen
Verzinsung. Die extreme Unsicherheit der Anleger – es sind beide wirtschaftlichen
Fehlentwicklungen denkbar – führt dazu, dass Investoren insbesondere Objekte in
erstklassiger Qualität und sehr frequentierten Großstadtlagen, die möglichst
langfristig an solvente Adressen vermietet sind, suchen. Gegenüber Anleihen
besteht der zusätzliche Reiz, dass es sich hierbei um Erträge aus Sachwerten
handelt, also ein eingebauter, zumindest teilweiser Inflationsschutz besteht.
Vorteil REITs
Die fungiblere und damit für diese unberechenbare Zeiten bessere Alternative
sind Immobilienaktien bzw. REITs, die solche Objekte besitzen und eine niedrige
Verschuldung aufweisen, deshalb eine mögliche deflationäre Phase überstehen
können, und damit auch in einer Inflation Schutz bieten. Die Aktien sollten
gegenüber dem Direktbesitz mit Abschlag notieren, was erfreulicherweise in den
meisten Ländern der Fall ist (weltweit im Durchschnitt ca. 13% Diskont), und
gerade in Deutschland sind Abschläge vom NAV (Nettosubstanzwert) von mehr als
25% mehr die Regel als die Ausnahme. Dies gilt sogar für die aktuell wegen
geringerer Leerstandsrisiken besonders gefragte Nutzungsart Wohnen.
In praktisch allen Märkten liegen die Mietrenditen bzw. Dividendenrenditen der
Besitzgesellschaften deutlich über der Verzinsung der entsprechenden
zehnjährigen Staatsanleihen. Besonders extrem ist die Situation in Japan, wo
Büroimmobilien Mietrenditen von 5% bringen und zehnjährige Staatsanleihen nur
mit mageren 1,2% rentieren.
Japan: Deflationssorgen dominieren
Obwohl in Japan die Staatsverschuldung bei über 200% des Sozialprodukts liegt,
überwiegen in diesem Land weiterhin die Deflationsbefürchtungen, da aufgrund
der dort noch zunehmenden Leerstände (9%) die Mieten rückläufig sind.
Erfahrungsgemäß folgt der gewerbliche Immobilienmarkt der Entwicklung des
Wohnimmobilienmarktes. Wenn dies weiterhin gilt, dürften in Japan angesichts
eines Zehnjahrestiefststandes bei der Anzahl unverkaufter Wohnungen und
zunehmenden Absatzes von Eigentumswohnungen bald bessere Zeiten anbrechen.
USA: der Reiz der REITs
Ganz anders in den USA: Dort fühlen sich viele Anleger an die Erholung nach der
zu Beginn der 90er-Jahre akuten Krise der Sparkassen erinnert, die viele REITs
hervorgebracht hat, welche sich danach extrem positiv entwickelten.
Entsprechend sind US-REITs die Stars in der laufenden Erholung. Ein weiterer
Grund für ihre Wertentwicklung war die von Analysten sowie Portfoliomanagern
diesem Sektor entgegengebrachte Skepsis. Mittelflüsse in den Sektor trafen auf
einen bereinigten Markt. Die noch bis vor Kurzem gerade in der deutschen Presse
verbreitete Erwartung, dass es in den USA zu einem Kollaps am
Gewerbeimmobilienmarkt kommen würde, hat sich bisher nicht bewahrheitet. Auch
wenn in den nächsten Jahren umfangreiche Refinanzierungen von
immobiliengesicherten Krediten und Anleihen anstehen, ist es durch die Politik
der Banken, Immobilienkredite zu prolongieren statt die verpfändeten Objekte in
die Zwangsversteigerung zu geben, zu einer Stabilisierung gekommen. Diese
Haltung wird den Banken durch die sehr steile Zinsertragskurve leichter
gemacht. Daraus folgt jedoch auch, dass es mangels einer umfassenden
Marktbereinigung nicht zu einer typischen Werterholung kommen wird. 1,5 Bio.
USD an Immobilienkrediten werden in den nächsten drei Jahren fällig. Es gibt
zunehmend Anzeichen dafür, dass sich die kreditgebenden Banken nun von Objekten
trennen werden, bei denen keine hohen Kreditausfälle zu erwarten sind.
Außerdem: was es sonst noch gibt
Sicherlich am verwundbarsten sind Nutzungsarten wie Hotels, Einzelhandel und
Büroflächen. Eigentumswohnungen sowie Sondernutzungen, wie es sie fast nur in
den USA an der Börse zu kaufen gibt (z.B. Datenzentren, Factory Outlet Center,
Studentenwohnheime, Pflegeheime etc.) sind deshalb als Nutzungsarten – soweit
die Bewertungen akzeptabel sind – reizvoller. In Nordamerika sind kanadische
REITs denjenigen aus den USA klar vorzuziehen. Der stabile, gewissermaßen
langweilige kanadische Markt ist auch deswegen interessanter, weil hier die
Bewertungen der REITs signifikant unter denen der USA liegen. So ist dort etwa
die Dividendenrendite mit 6,8% weitaus höher als die diejenige in den USA mit
3,4%.
Ausblick
Mittelfristig attraktiv sind auch asiatische Immobiliengesellschaften und
hier vor allem die defensiveren REITs, für die eine ganze Reihe von Argumenten
spricht: Wachstum, Währungschancen, im Vergleich zu Direktanlagen attraktive
Bewertungen, Fungibilität und größere Effizienz als bei geschlossenen bzw.
offenen Fonds.
Von Helmut Kurz, Manager E&G Global REIT Fonds, Bankhaus Ellwanger &
Geiger KG
Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 07/2010.
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