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Being Public 02.02.2012, 09:56  
Vossloh AG - Weichen richtig gestellt?

Immer wenn es um Eisenbahnen, U-Bahnen oder allgemein Schienenverkehr geht, ist Vossloh mit von der Partie. Der Weg von einem diversifizierten Unternehmen mit mehreren Standbeinen hin zu einem Spezialanbieter für den Schienenverkehr war lang. Dabei stand die Familie stets hinter dem Unternehmen. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern – zum Wohle des Konzerns.

Das aktuelle Vorhaben des Knorr-Bremse-Eigners Heinz Hermann Thiele, sein Vossloh-Aktienpaket von 15 auf 25% aufzustocken, rief nicht gerade Begeisterung hervor. Die Reaktion der Familie des Firmengründers Eduard Vossloh ging eher in die andere Richtung: Ihre Anteile sollten erhöht werden, um den familiären Einfluss weiter zu stärken. „Wir haben dieses Unternehmen immer als unser Unternehmen gesehen“, erklärte der Sprecher der Familie, Peter Langenbach, in einem Interview.

Die Familie hält insgesamt rund 31% an dem Verkehrstechnologieunternehmen. Aus dem beschaulichen Werdohl im Sauerland, wo Vossloh nach wie vor seinen Hauptsitz hat, heraus hat es das Unternehmen geschafft, sich in vergangenen Jahrhundert international aufzustellen: In über 90 Konzerngesellschaften in rund 30 Ländern sind circa 4.900 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Neu(er)findung
Doch bis dahin war es ein weiter, zuweilen auch nicht ganz einfacher Weg. Die Wurzeln des heutigen Konzerns reichen zurück bis ins Jahr 1888. Damals gründete der gelernte Schmied Eduard Vossloh in Werdohl das Unternehmen, das in der Folge stetig weiter wuchs. 1919 wurde der Schmiedebetrieb eingestellt und es entstanden eine Draht- und Rohrzieherei sowie ein Walzwerk. Durch mehrere Akquisitionen erschloss sich Vossloh neue Geschäftsfelder, woraus die drei ehemaligen Hauptstandbeine des Unternehmens hervorgingen: Lichttechnik, Eisenbahn und Dekoration.

Über 40 Jahre lang leitete Dr. Hans Vossloh, der Enkel des Firmengründers, das Unternehmen. 1986 kam Burckhard Schuchmann als Geschäftsführer zu dem traditionsreichen Konzern. Zusammen trieben sie den Wandel des Familienunternehmens zur Kapitalgesellschaft voran. 1990 erfolgte der Börsengang und 1997 schaffte Vossloh auch den Sprung in den MDAX. Familienunternehmen trifft Börse – im Falle von Vossloh stimme diese Kombination, wie der Sprecher des Vorstands, Werner Andree, gegenüber dem GoingPublic Magazin betont: „Als börsennotiertes Familienunternehmen genießt Vossloh die Vorzüge aus beiden Welten. So haben wir als börsennotierte Gesellschaft Zugang zum Kapitalmarkt und mit der Familie als Groß- und Ankeraktionär langfristige Planungssicherheit.“

Und an dieser familiären Rückendeckung für das Unternehmen soll sich auch künftig – zwei Jahre nach dem Tod von Dr. Hans Vossloh, der nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen weiterhin als Ehrenmitglied des Aufsichtsrats tätig war – nichts ändern. „Die Vossloh-Familie steht hinter dem Unternehmen – was sie auch öffentlich immer wieder betont“, bestätigt Andree deren Engagement. „Die Familie denkt nicht kurzfristig, sondern ist an einer nachhaltigen Wertsteigerung interessiert.“ Dies wirke sich positiv auf die langfristig ausgerichtete Unternehmensstrategie aus, beschreibt Andree den Rückhalt der Familie.

Volle Fahrt voraus
Mit dem Schritt an den Kapitalmarkt war die Spezialisierung des Konzerns noch nicht abgeschlossen. In den folgenden Jahren strukturierte Schuchmann den Konzern um. Zwei der Hauptunternehmenssparten – Lichttechnik und Dekoration – wurden wegen der wachsenden Konkurrenz verkauft und man konzentrierte sich ausschließlich auf die Eisenbahntechnik. Innerhalb kurzer Zeit schaffte es Vossloh, über verschiedene Verkäufe, Akquisitionen und Restrukturierungen sowohl im In- als auch Ausland überall präsent zu werden, wenn es um Schienenverkehr geht. Und die Spezialmarktstrategie ging auf, denn die Nischen, die das Familienunternehmen besetzt, sind auf der einen Seite für große Konkurrenten zu klein und für kleinere auf der anderen Seite zu anspruchsvoll. Heute gliedert sich die operative Tätigkeit des Konzerns in die zwei Geschäftsbereiche Rail Infrastructure und Transportation.

Und die Strategie funktioniert: Im Geschäftsjahr 2010 erzielte Vossloh einen Umsatz von 1,35 Mrd. EUR und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 152,1 Mio. EUR. Zwar rechnet das Unternehmen mit einem leichten Umsatzrückgang für 2011 um 10% auf 1,2 Mrd. EUR, zeigt sich aber für 2012/13 wieder sehr optimistisch – dank gefüllter Auftragsbücher.

Fazit
Die Kombination Familie und Börse scheint im Falle von Vossloh gut zu funktionieren. Wie schon in der Vergangenheit zeigen die Nachkommen auch aktuell, dass die Familie hinter dem Unternehmen steht und der nachhaltige Gewinn und nicht das schnelle Geld zählt. Für einen Konzern, der sehr stark den Schwankungen des weltweiten wirtschaftlichen Umfelds unterliegt, ist so ein langfristiger Ankeraktionär sicherlich von Vorteil.

Maximiliane Worch

Ursprünglich erschienen im GoingPublic Magazin 2-3/2012.


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